Steinzeit

Die so genannte Steinzeit umfasst für die Elsterregion Zeiträume von vor 2 200 vor der Zeitrechnung (v. d. Z.) bis weit in die Urzeit hinein. In der ältesten Periode der Steinzeit, der „Altsteinzeit“ (vor 9 000 v. d. Z.) setzte sich, nachdem die Auswirkungen der letzten Eiszeit überstanden waren, in Mitteleuropa eine dauerhafte Klimaerwärmung durch. Aus dieser Zeit gibt es bisher für Proßmarke keine Funde oder Befunde einer Anwesenheit von Menschen.

Die nachfolgende Periode „Mittelsteinzeit“ (Mesolithikum) von 9 000 bis 5 500 v. d. Z. zeigt mehrfach Besiedlungen insbesondere in der Kremitz- Niederung. Nachweise stammen hauptsächlich aus den Gegenden bei Malitschkendorf, Jagsal und Oelsig.
Es handelt sich um Funde von Geräten und Waffen aus Feuerstein und Felsgestein. Diese Menschen waren Jäger und Sammler, sie siedelten auf trockenen Sanddünen an fließenden Gewässern, benutzten Speere, Pfeil und Bogen, Fische wurden mit Netzen, Angeln oder Harpunen gefangen, gesammelt wurden Früchte, Beeren, Pilze und Kleingetier (Schnecken). Die einfachen Hütten bestanden aus Stangenholz. Waffen und Geräte wurden aus Stein, Geweih, Knochen und Holz gefertigt. Der Hund wurde endgültig als Haustier domestiziert. Diese Menschen konnten auch schon Boote bauen.

Aus dieser Mittelsteinzeit stammt auch der älteste archäologische Fund von Proßmarke, ein Keulenkopf aus Felsgestein (deshalb auch „Geröllkeule“ genannt), s. Abbildung.

  Mittelsteinzeitlicher Keulenkopf aus Felsgestein von Proßmarke (ca.7- 9 000 Jahre alt)

Abb. 1

Die Fundumstände sind so geheimnisvoll wie spektakulär: Der Herzberger Lehrer und verdienstvolle Heimatforscher ALBERT VOEGLER vermerkt im Jahre 1941 zu diesem Fund in den Unterlagen des damaligen Heimatmuseums Herzberg:

„Fundort Proßmarke. Nähere Umstände nicht bekannt.
Voegler kaufte ihn vom Arbeiter Scheinert- Herzberg.
Der Stein hatte Generationen hindurch als Beschwerungsgegenstand
im Gurkentopf gedient“.

 

Abb. 2

Der Keulenkopf ist 11,3 cm lang, 8 cm breit, der Schaftlochdurchmesser beträgt 2,6- 4,7 cm. FINDEISEN beschreibt 1992 diesen Fund wie folgt:

„Erdbraunes und geschliffenes
Gestein mit sanduhrförmiger Durchlochung, Querschnitt und Grundriss unregelmäßig ellipsoid.“


Die Oberfläche des Keulenkopfes ist glatt geschliffen, sie weist keine erkennbaren Gebrauchsspuren auf.

Die Fundzeit lässt sich nur schwer einschätzen, vermutlich datiert diese um das Jahr 1850. Heute befindet sich dieses älteste Fundstück Proßmarkes im Kreismuseum Bad Liebenwerda im Depot. Nachforschungen zu Nachkommen des Arbeiters Scheinert blieben vor einigen Jahren leider erfolglos. Rätselhaft ist der gesamte Fund, denn bisher wurden in und um Proßmarke keinerlei weitere mittelsteinzeitliche Fundstücke entdeckt, wie z.B. Feuersteinwerkzeuge oder -abschläge.

Wie ist dieser Keulenkopf, der ursprünglich natürlich noch einen hölzernen Stiel besaß, nach Proßmarke gekommen? Denkbar wäre, dass Jäger aus dem Kremitz- Gebiet bis auf die Höhen von Proßmarke geschweift sind. Hier wurde dann die Keule entweder aus irgendwelchen rituellen Gründen vergraben oder ging verloren oder der Träger kam zu Tode oder…oder…oder.
Es wird wohl ewig ein Geheimnis bleiben. Von einem mittelsteinzeitlichen Siedlungsplatz von Proßmarke kann aber wegen dieses Einzelfundes keineswegs gesprochen werden, zumal die Fundumstände (Fundplatz, Zeit, Befunde etc.) unklar sind.
Es bleibt zu hoffen, dass auch dieser Keulenkopf eines Tages wieder in der Dauerausstellung des Kreismuseums zu sehen sein wird.

LITERATUR

  • FINDEISEN, A.: Mesoneolithische Funde und Steingeräte der Bronze- und frühen Eisenzeit in der Sammlung des Heimatmuseums Herzberg. Institut für Museologie, Leipzig, Abschlussarbeit, 1992.
  • WILLE, G.: Steinzeit. in: Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte von Proßmarke. Dresden/ Proßmarke, 2005 (Download)

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