Berichte des Freundeskreises

Vom Freundeskreis wurden und werden Veranstaltungen zur Aufarbeitung und Erforschung der Regionsgeschichte durchgeführt. Der Bereich der Aktivitäten umfasst z. B. Ausstellungen, Buchvorstellungen und Textbeiträge. Sämtliche Aktivitäten können Sie in den Jahresberichten nachlesen, Berichte über die Veranstaltungen können Sie im Folgenden nachvollziehen.

Johann Friedrich Mende

Der am 4. Oktober 1743 in Körba geborene

Johann Friedrich Mende

ist in seinem Geburtsort und in der Region kaum bekannt, auch wenn der Eintrag zu Lebusa in Wikipedia zum Glück auf diesen Bürger des Dorfes verweist (Eintrag in Wikipedia).

Es gilt: J. F. Mende ist der bisher berühmteste Bürger Lebusas!
Seinen Namen und seine technischen Erfindungen auf dem Gebiet des sächsischen Bergbaues, insbesondere des Bergmaschinenwesens, kennt man in der Freiberger Region, seinem späteren Arbeitsort, und im gesamten sächsischen Bergbau sehr wohl.
Außerdem- Mende kannte Goethe persönlich, ist mit dem großen Dichter mehrfach zusammengetroffen und mit ihm sogar in Bergwerken herumgekrochen.

Gründe genug, für den Freundeskreis Zliuuini die Biografie dieses berühmtesten Lebusaers, der nur 55 Jahre alt wurde, zu ergründen und nachzuzeichnen. Viel Interessantes, Unbekanntes und Überraschendes trat zu Tage. Die Zeit für eine öffentliche Mende- Ehrung in Lebusa ist längst überfällig. Im Frühjahr 2014 hat der Freundeskreis Zliuuini seine Ergebnisse vorgelegt und in einem Buch veröffentlicht.

Vortrag über J.F.Mende am 10.05.2014

Am 10.Mai 2014 stellte der Freundeskreis Zliuuini die Ergenisse der Forschungen in Lebusa, Oberlaubenstall vor.
Anlässlich des Vortrages von Herrn Dr. Gert Wille wurde im Anschluss eine Gedenkplakette am Oberlaubenstall enthüllt. Die auf der Plakette dargestellte Grafik geht auf die Erfindung von J.F. Mende - einem Schiffshebewerk bei Rothenfurt (Freiberg) - zurück und wurde auf einem Ersttagsbrief zu Technischen Denkmälern gewürdigt.

Video vom Vortrag

Plakette

 

Darstellung des Schiffshebewerks von J.F.Mende

Lage des Schiffshebewerk Rothenfurth bei Freiburg

Im Anschluss an die Veranstaltung führte Herr Hans Dieter Lehmann (HDL) in der Kirche Lebusa seinen letzten Lichtbildervortrag vor. Hierbei zeigte er anhand von alten und neuen Bildern die Entwicklung in Lebusa nach. Für seine Arbeiten und sein Arrangemant für die Heimatforschung wurde er von allen Beteiligten geehrt!

Lichtbildvortrag von HDL am 10.05.2014

Lichtbildvortrag von HDL am 10.05.2014

Wetzrillen, Rundmarken und andere markante Zeichen

Einleitung
Kaum jemand wird bestreiten, dass Kirchen als Bauten fast ausnahmslos als Denkmäler gelten. Das betrifft auch die Innenausstattungen, wie Mobiliar, Glocken, Gerätschaften, Aufbauten, Bilder u.a.m.
Allerdings weisen die Kirchen- im vorliegenden Falle sollen darunter die Kirchen der Region des Altkreises Herzberg verstanden werden- auch noch weitere rätselhafte, geheimnisvolle Merkmale auf, die bisher in den Betrachtungen von Heimatforschern nur ungenügend Beachtung fanden.
Der folgende Beitrag will diese fast vergessenen Merkmale unserer Kirchen der Region ins Gedächtnis zurückrufen. Diese meist kleinen, oft unscheinbaren Merkmale sind weit verbreitet, meist ver- oder gar unerkannt. Angaben zu Herkunft, Ausführung, Bedeutung und Sinn fehlen in der Regel, bzw. es existieren nur vage Vermutungen.

Wetzrillen und Rundmarken
Steine beschäftigten die Menschen nicht erst seit der „Steinzeit“ vor ca. 8 000 Jahren.
Informationen über rätselhafte Vertiefungen auf Steinen liegen schon aus grauer Vorzeit vor.
Auch das Alte Testament verweist im 1. Buch Mose auf so genannte heilige Steine.
Verschiedene Informationen weisen auf schälchenartige Vertiefungen auf Steinen gar aus der Zeit der Neandertaler (vor 50 000 Jahren) hin. Angeblich gab es seit Urzeiten eine Art „Steinzauber“, der sich bis in unser Mittelalter erhalten haben soll.

In Kenntnis dieser Einschätzungen wunderten und wundern sich die Menschen über viele geheimnisvolle Spuren meist an Außenwänden von Kirchen aber auch an anderen, nicht kirchlichen Bauten.
Es handelt sich um so genannte „Wetzrillen“ (Ritz-, Schleif- oder Schür- Rillen, Wetzfurchen oder
-kerben) sowie um „Rundmarken“ (auch Näpfchen, Schalen oder Mulden genannt).
Die Wetzrillen sind längliche, ritzartige Vertiefungen von ca. 20 bis 50 Zentimetern Länge, von ungefähr 1 bis 3 Zentimetern Breite und von etwa 2 bis 4 Zentimetern Tiefe. Sie finden sich vor allem auf „weicheren“ Gesteinen wie Ziegel oder Sandstein, seltener (aber manchmal auch dort) auf natürlichem Feldgestein. Die Rundmarken stellen kleine Mulden von 2 bis 4 Zentimetern Durchmesser und einer Tiefe bis zu ca. 2 Zentimetern dar. Auch diese Vertiefungen wurden bevorzugt in die genannten Gesteine eingebracht.
Beispiele aus der Region sind die Kirchen von Hohenbucko, Proßmarke, Körba, Krassig
Solche Vertiefungen sind europaweit verbreitet, selbst in Nigeria sollen näpfchenartige Vertiefungen auf Steinen nachweisbar sein, Wetzrillen auch in Ägypten.

Kirche Hohenbucko

"Näpfchen" im Detail

 

In Mitteldeutschland finden sich solche Rillen und Näpfchen vor allem an mittelalterlichen Kirchen, an Friedhofsmauern oder Steinkreuzen, manchmal auch an alten Grenzsteinen oder auch an weltlichen Bauten wie Schlössern, Burgen u.a.
Die Menschen des späten Mittelalters und auch der Neuzeit wussten nichts über Entstehung und Sinn dieser „Wetzrillen“ bzw. schälchenartigen Vertiefungen in den Wänden. Man schrieb diese dem Teufel mit seinen tödlichen Krallen zu, die er im Kampf gegen das Christentum in diese geweihten Steine geschlagen und auf diese Weise solche Spuren bis heute hinterlassen hätte.
Das Rätselhafte dieser Markierungen besteht einmal in der unklaren Entstehungszeit und zum anderen hinsichtlich Sinn und Zweck derselben.

Bezüglich der Entstehungszeit an den Kirchen unserer Region lässt sich das (vermutliche) Alter von Wetzrillen und Rundmarken auf die Jahre der Kirchenbauzeit (ab 12./ 13. Jahrhundert) bis zur Neuzeit angeben. Erstaunlicherweise gibt es keine schriftlichen Originalbelege über dieses Brauchtum aus der Entstehungszeit, keine Urkunden, keine Bilder. Auch in Protokollen der spätmittelalterlichen Kirchenvisitationen konnten bisher keine Hinweise auf diese Merkmale gefunden werden. Dabei beschreiben diese Visitationsprotokolle jedoch fast jede noch so kleine Abweichung vom „ordentlichen“ Kirchenleben, warum also nicht auch solche vielleicht heidnischen Zeichen oder wenigstens „Verschandelungen“ von Gotteshäusern?
So bleibt zu vermuten, dass das Anbringen an den äußeren Kirchenwänden heimlich erfolgte oder zumindest von der christlichen Kirche nicht gefördert wurde. Letztere Vermutung wird dadurch erhärtet, dass es oft „zugeschmierte“ (mit Mörtel verschlossene) Näpfchen gibt oder gab (Kirche in Krassig). Jedenfalls muss der Zeitraum des Anbringens derartiger Marken nicht mit dem Alter der diese Marken tragenden Bauwerke übereinstimmen. Manche Fachleute vermuten einen vorchristlichen Kult, der sich in seiner Ausübung bis in die Neuzeit in Relikten erhalten haben könnte.
Schwerpunktmäßig befinden sich Wetzrillen und Rundmarken in der Nähe von Türen, Toren, Portalen an den der Sonne zugewandten Süd- und Westseiten. Die Anzahl solcher Gebilde an Nord- oder Ostseiten hält sich dagegen in Grenzen.
Im Innern des Glockenturmes der Kirche von Proßmarke finden sich im Putz mehrere Rundmarken. Der Glockenturm ist nach der Erbauung des Kirchenschiffes angebaut worden (vermutlich um 1400). Da Rundmarken nahezu immer an Außenwänden von Kirchen zu finden sind, müssen diese Proßmarker Rundmarken zu einem Zeitpunkt entstanden sein, als der Glockenturm noch nicht bestand- also ungefähr vor 1400.

Aus welchen Gründen wurden solche Gebilde an die Wände der Kirchen angebracht?
Hierzu existiert eine Vielzahl von Vermutungen unterschiedlichster Art. Im vorliegenden Fall der Region Herzberg ergibt sich die Beschränkung auf Zeiträume ab dem Mittelalter, wobei diese Periode von Fachleuten von 1200- 1500 gezählt wird.
Es sei beispielhaft auf einige vermutete Gründe kurz eingegangen:
Zumindest die in der Region vorkommenden Wetzrillen insbesondere an Kirchen könnten einmal das Ergebnis eines rituellen „Wetzens“ von Werkzeugen, vielleicht auch Waffen gewesen sein. Ob auch das rituelle „Entschärfen“ von Waffen, also das Unschädlichmachen hier erfolgte, bleibt im Dunkel der Geschichte verborgen. Vielleicht wurden Waffen vor einem Kirchgang symbolisch durch Wetzen „stumpf“ gemacht, um nach dem Kirchgang, wiederum durch symbolisches Wetzen, geschärft zu werden. Denkbar wäre auch eine Art „Weihe“ von Waffen, eine Segnung o.ä.
Andere Forschen sehen das Wetzen als Maßnahme zur Gewinnung von Sandpulver an.
Diesem Wetzpulver schrieben die Menschen vermutlich übernatürliche Kräfte zu. Vielleicht sollte dieses geweihte Pulver vor Unglück, Krankheit und Krieg schützen, vielleicht nicht nur den Menschen sondern auch das Vieh. Das Pulver wurde sicher überall hin verstreut oder mit herumgetragen. Zu vermuten wären auch Fruchtbarkeitskulte.
Im Mittelalter könnte das „Wetzen“ auch eine Rechtshandlung dargestellt haben. Das Schwert galt als Wahrzeichen von Treue und Redlichkeit, das Wetzen des Schwertes wäre dann eine Bestätigungshandlung für Vertragsabschlüsse, für Eheschließungen, für Gerichtsentscheide, Eidesleistungen oder auch für eine persönliche Besitzergreifung. Allerdings passen die doch deutlichen Vertiefungen nicht so recht in die Vorstellung einer solchen rituellen Handlung, die sicher nicht mit aller Kraft und Stärke ausgeführt wurde.
Auch abergläubische Vorstellungen sollten berücksichtigt werden: Wünsche nach Gesundheit, bzw. Abwehr von Krankheiten, Friede, Erfolg, Segen u.ä.
Auch gegenteilige Wünsche sind zu sehen, denn „Wetzen“ galt auch als Ausübung eines Schadenszaubers gegenüber missliebigen Personen.
Manche Forscher vermuten realere Gründe, wie z.B. Zunftzeichen von Steinmetzen (die allerdings hier eine sehr primitive Ausführung aufweisen würden) oder Zeichen für Pilger (Durchgangszeichen mit Fürbitte um Segen und Gesundheit). Auch an das „Hineinpusten“ von Krankheiten oder mehr oder minder frommen Wünschen muss gedacht werden.
Für die Herstellung der ebenmäßigen Rundmarken soll angeblich im Mittelalter der weit verbreitete Schlagstahl des Feuerzeuges gedient haben, denn ein „Herauspolken“ mit dem Fingernagel ist wohl auf Grund der Festigkeit des Gesteins nicht anzunehmen.

Eine „natürliche“ Entstehung solcher Gebilde (Verwitterung, Bauschäden,…) ist mit Sicherheit auszuschließen. Alle diese Gebilde befinden sich zwischen dem Erdboden und ca. 2 Meter Höhe, also Mannshöhe. Manche Wetzrillen laufen exakt über mehrere Ziegelsteine, außerdem enthalten auch witterungsbeständige Feldsteine Wetzrillen. Somit ist auch ein vermutetes vorheriges Kennzeichnen von Einzelziegeln schon bei deren Herstellung nicht haltbar. Die meisten Wetzrillen verlaufen senkrecht, manchmal schräg, sehr selten waagerecht.
Die Forschungen auf diesen Gebieten stagnieren, es gibt keine gesicherten Erkenntnisse.

Beispiel an der Kirche in Proßmarke

Beispiel an der Kirche in Körba

Kirche Krassig-Wetzrille ca. 30 cm, bis 2 cm tief

"Wetzrille" im Detail

 

Fundamentsteine
In manchen älteren Bauwerken lassen sich im Fundament hin und wieder Steine feststellen, die in Form, Farbe oder Größe von den üblichen Fundamentsteinen abweichen. Eingelassen in Fundamente stellen sie vermutlich Schutzzeichen für das Gedeihen des Bauwerkes, seiner Haltbarkeit und seine christlichen Nutzung dar. Ein solcher Stein befindet sich z. B. im Fundament der Körbaer Kirche. Dieser Stein besitzt eine schwärzliche Farbe, die Art des Materials ist bisher nicht festgestellt worden. Der Stein zeigt eine unregelmäßige Form, es wird nicht deutlich, ob derselbe bearbeitet wurde, welche Abmessungen er besitzt und wie viel er etwa wiegen könnte. Über die Ursachen des Verbringens derartiger Fundamentsteine kann nur spekuliert werden. Bekannt sind so genannte Bauopfer, wie z.B. Geldstücke unter einer Türschwelle. Ob der Körbaer Stein in diese Reihe gehört, muss noch erforscht werden.

Raseneisenstein
Raseneisenstein stellt eine verfestigte Sedimentfraktion des (meist feuchten) Bodens aus Sand, Ton, Schluff, Kies, ggf. Torf und einem hohen Eisengehalt dar. Dieser Stoff gilt damit weder als Erz noch als Gestein. Der Eisengehalt liegt meist zwischen 20% und 45 %. Für die Entstehung im Boden sind lang andauernde Redox- Vorgänge während der letzten Eiszeit (Holozän) verantwortlich.
Bereits die Germanen nutzten den Raseneisenstein zur Herstellung von Eisen. Als Baustoff dienten die harten Produkte mit hohem Eisenanteil. In der Region besitzt z.B. die Stadtmauer von
Dahme/ Mark einen hohen Anteil von Raseneisenstein. Für Bauzwecke kam das Material vor allem wegen seiner rustikalen Struktur und seiner intensiven braunen Farbe in Betracht. Raseneisenstein als mittelalterlicher Baustoff findet sich bei vielen Dorfkirchen der Region (z. B. das zugemauertes Kirchenportal von Hohenbucko oder die Dorfkirchen von Krassig und Körba.
Heute bilden die im Mauerwerk enthaltenen Raseneisensteinbrocken einen farblich einmaligen Kontrast zu den verschiedenfarbigen Feldsteinen insbesondere bei den alten Dorfkirchen. Leider Sind diese Farbspiele oft unter neuzeitlich angebrachten, eintönig grauen Putz versteckt (Hillmersdorf).

Zeichen und Inschriften
Solche Zeichen bestehen aus christlichen Kreuzen verschiedener Art und Größe, aus Buchstaben oder aus Jahreszahlen.
Beispiele:
- Schriftzeichen im Mauerwerk der Friedhofskirche St. Katharina in Herzberg/E.
- Jahreszahl 1715 an einem Stein des Innenmauerwerkes des Kirchturmes von Proßmarke mit nachfolgender, schwer lesbarer Buchstabenkombination, vermutlich HM.
Die meisten dieser Inschriften sind heute kaum noch erklärbar, Inhalt und Anlass bleiben im Dunkeln. Also auch hier gilt- noch viel Arbeit für die Heimatforschung.

Eingravierung Jahreszahl Kirche Proßmarke

 

Zusammenfassung
Sehr viele Kirchen der Region am Unterlauf der Schwarzen Elster, vor allem die alten Dorfkirchen, weisen viele geheimnisvolle, rätselhafte Merkmale an ihren Außenwänden auf: Schartige Wetzrillen, näpfchenartig vertiefte Rundmarken, auffällige Fundamentsteine, dunkelbraunen Raseneisenstein oder unerforschte Zeichen, zahlen oder Inschriften. Diese Merkmale sind hinsichtlich ihrer Entstehung sowie ihres Zweckes so gut wie unerforscht- ein breites Betätigungsfeld für Heimatforscher tut sich auf.

Dr. F.A. Wagner

Dr. F. A. Wagner- was hat er uns heute zu sagen?

Die Person des Schliebener Wohltäters und Arztes Dr. Friedrich August Wagner (1773- 1856) sowie manche Etappen seines Lebens sind sicher dem einen oder anderen noch in Erinnerung. Wagner war aber mehr als nur Arzt oder Wohltäter. Seine Verdienste zur Entwicklung der Archäologie zu einer seriösen Wissenschaft sind erst in neuerer Zeit anerkannt.

Er war ein ganz „normaler“ Mensch mit Schwächen und Besonderheiten. Seine Rolle wird heute in der politischen Wissenschaft unter erstaunlichen Aspekten gesehen. Alle diese neuen Gedanken und Erkenntnisse will der Freundeskreis Zliuuini, gemeinsam mit Amt und Stadt Schlieben im Rahmen einer Ausstellung darlegen.
Dazu fand eine Eröffnungsveranstaltung statt:

Dienstag, den 26.11.2013 um 17:00 Uhr
Amtsgebäude Schlieben


Vom Freundeskreis Zliuuini wird ein Einführungsvortrag gehalten, danach erfolgt die gemeinsame Begehung der Ausstellung. Alle Heimatfreunde, Interessenten und Gäste sind sehr herzlich dazu eingeladen, der Eintritt ist frei.

Kurzbiografie

Dr. Friedrich August Wagner -
23. April in Kropstädt/ Wittenberg geboren als ältester Sohn des dortigen Pfarrers, zwei Geschwister: August Ludwig, geb. 3.12. 1776, Friederike Louise geb. 1779, der Vater war zugleich der erste Lehrer des Sohnes

Plötzlicher Tod des Vaters; die Familie zog nach Wittenberg, Friedrich August besuchte das Gymnasium in Wittenberg, anschließend Studium der Arzneiwissenschaften an der Universität Wittenberg

Doktor- und Staatsexamen; durch seinen Universitäts-Freund Tepohl kam er nach Schlieben und eröffnete dort eine Arztpraxis

1805 Erhielt am 11. März vom Kurfürsten das Apothekenprivileg in Schlieben (bis 1815); Anfertigung von Medizinischen Mitteln eigenständig in seinem Labor („Dr. Wagner`s Hustentee…“)

1810 Dr. Wagner heiratete die Bürgerstochter Marie Elise Henschke (zwei Söhne, zwei Töchter). Die Hochzeit fand in Lebusa statt. Dr. Wagners ärztlicher Wirkungskreis wurde immer größer.

Während der Befreiungskriege gegen Napoleon 1813 arbeitete er aushilfsweise in Lazaretten von Torgau, Herzberg, Dahme, Luckau, wurde am 20.8.1813 zur medizinischen Versorgung im Rahmen des so genannten „Jagsaler Franzosenmordes“ hinzu gerufen.

1815 Berufung zum Kreisphysikus, besondere Verdienste bei der Bekämpfung der Pocken (Impfungen unter Mithilfe seines Bruders Ludwig August/ Lebusa sowie Frau Magister Gelhar/ Stechau).

Bepflanzung von Teilbereichen des Langen Berges (Nordseite); die Bäume und Sträucher stammten aus den Baumschulen von Potsdam und Berlin; Dr. Wagner besaß einen eigenen Weinberg mit einem Weinberghäuschen, dort richtete er ein kleines Museum ein (Altertümliches, Merkwürdiges, Präparate, Mineralien, begann mit archäologischen Forschungen und Ausgrabungen im Malitschkendorfer Burgwall, im „Schweinert“ bei Falkenberg, im Gräberfeld Frankenhain u.a.m.,

Dr. Wagner hatte dafür viele fleißige, interessierte Helfer aus Schlieben und Umgebung gewonnen; Auch der Direktor des Königlichen Museums für vaterländische Altertümer Berlin, Leopold von Ledebur, war an Ausgrabungen beteiligt; Seine Erkenntnisse hielt Dr. Wagner in zwei Büchern fest:

1828 Titel: „Tempel und Pyramiden der Urbewohner auf dem rechten Elbufer, unweit dem Ausfluss der schwarzen Elster“ (Leipzig)
1833 „Aegypten in Deutschland oder die germanisch- slavischen, wo nicht rein germanischen Alterthümer an der schwarzen Elster“ (Leipzig)



1828 Einladung zur VII. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte in Berlin; die Einladungen waren von Alexander von Humboldt und Dr. Lichtenstern unterzeichnet; Dr. Wagner nahm an dieser bedeutenden Veranstaltung ausgewählter Fachleute Deutschlands teil

1831 Verschiedene Veröffentlichungen im Schweinitzer Kreisblatt“:
- Maßnahmen zur Vorbeugung der drohenden Gefahr durch die asiatische Cholera
- Behandlung der Tollwut
- Behandlung des Kreuzotterbisses
Alfred Brehm übernahm Passagen daraus für sein Werk „Illustriertes Tierleben“; Veröffentlichungen zu medizinischen Behandlungsmethoden im „Medizinischen Journal“ des bekannten Arztes Hufeland

1832 Auszeichnung mit der „Großen goldenen Medaille für Gelehrte und Künstler“

1840 Auszeichnung mit dem „Roten Adlerorden“ 4. Klasse

1848 Auszeichnung mit dem „Roten Adlerorden“ 3. Klasse mit Schleife anlässlich seines fünfzigjährigen Doktor- Jubiläums

1856 Dr. Wagner verstarb am 13. März in Schlieben; seine Beisetzung erfolgte in einer besonderen Gruft am Nordhang des Langen Berges

1895 Errichtung des Dr. Wagner- Denkmales auf dem Langen Berg; zwei Straßen sind nach Dr. Wagner benannt; eine Bronzetafel in der Luckauer Straße erinnert an diesen verdienstvollen Mann.

Vortrag am 26.11.2013

Heimatkundliche Beiträge aus dem Schliebener Land

Vorwort
Vorwort

Der Freundeskreis Zliuuini hat sich die Aufgabe gestellt, Beiträge zur Heimatgeschichte des Schliebener Landes zu erstellen und diese der Öffentlichkeit zur Kenntnis zu geben. Gleichzeitig werden auch weitere Heimatfreunde bei ihren oft regionalen oder lokalen heimatkundlichen Bemühungen unterstützt. Das Ziel besteht in der Präsentation von heimatgeschichtlichen Beiträgen, die viel Interessantes, viel Rätselhaftes und Geheimnisvolles enthalten. Die aber auch in ihrem Erforschungsumfang noch lange nicht ausreichend geklärt sind. Diese "weißen Flecken" als lohnende Arbeitsgebiete künftiger Heimatforschergenerationen werden bei allen Ergebnissen des Freundeskreises Zliuuini sichtbar. Nicht Heimlichtuerei, nicht Wichtigtuerei oder Versteckspiel charakterisieren die Arbeiten- hier gilt höchste Transparenz und Offenheit bei breiter Nachnutzbarkeit
(bei Einhaltung der Urheberrechte und Ausschluss kommerzieller Ziele).
Nur durch Rede und Gegenrede, durch fachlich versierte Argumentation, ohne Arroganz und Rechthaberei, können wir gemeinsam das geschichtliche Bild des Schliebener Landes weiter erhellen.

Der Freundeskreis Zliuuini veröffentlichte bisher seine Ergebnisse in Büchern, die von Verlagen vertrieben wurden. Dazu gesellten sich Vorträge mit Partnern aller Art.
Bei dieser bisherigen Form der Ergebnispräsentation gingen allerdings Klein- und Zwischenergebnisse stets etwas unter. Außer Überschriften oder Aktivitätenlisten gab es kaum Darstellungen dazu.
Der Freundeskreis Zliuuini will dieses Problem mit der hier beginnenden Reihe lösen. Mit vorliegender Erst- Broschüre dieser Art werden mehrjährig andauende Arbeitsphasen mit diesen Klein- und Zwischenergebnissen festgehalten- hier vorerst für die Jahre 2010- 2013.
Als Titel der Reihe wurde "Heimatkundliche Beiträge aus dem Schliebener Land" gewählt, wobei das keine enge Abgrenzung des Arbeitsgebietes darstellt. Er soll lediglich den Arbeitsschwerpunkt umreißen. Die Jahreszahl (hier 2013) verdeutlicht das Abschlussjahr der Arbeitsphase.
Die vorliegende Fassung ist eine Vorab- Fassung vom Oktober 2013, speziell für den Internetauftritt zur Geschichte von Proßmarke, d.h., leicht gekürzt, ausgearbeitet worden. Die Langfassung wird als Papierformat (Maschinen- Manuskript) im Dezember 2013 erstellt.

Der Leser wird in Nr. 1 - 2013 Ergebnisse über die Sicherstellung verschollener Altfunde aus der Region finde. Auch Hilfestellungen für Finder von ur- und frühgeschichtlichen Gegenständen erhalten Unterstützung (z. B. bei der Erstellung von Fundmeldungen oder die Bereitstellung der Funde für die archäologische und Heimatforschung).
Immer wieder tauchen bei der Auswertung vor allem älterer Unterlagen Informationen über Altfunde und ältere Erkenntnisse auf, die das bisherige Heimatbild vervollständigen. Auch Ergebnisse von Geländebegehungen mit Beschreibung "verdächtiger" Konturen im Gelände gehören hier her. Darüber hinaus wird z. B. über mittelalterliche Einzelergebnisse sowie zu Schwerpunkten aus der Geschichte des Dorfes Proßmarke berichtet.

Der Freundeskreis Zliuuini hofft mit allen engagierten Heimatfreunden der Region auf eine ergebnisorientierte, offene Zusammenarbeit, die auch noch Spaß und Freude in der Freizeit garantiert.

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis
Seite
0. Vorwort 3

1. Altfunde aus der Region 4
1.1 Altfunde aus dem ehemaligen Heimatmuseum Herzberg/ E. 4
1.2 Altfunde aus dem Schullandheim Körba 6
1.3 Altfunde aus Privatsammlungen 7

2. Neufunde aus der Region (Schwerpunkte) 8

3. Öffentlichkeitsarbeit des Freundeskreises Zliuuini (Ausw.) 13
3.1 Herausgabe von Büchern zur Heimatgeschichte der Region 13
3.2 Gestaltung einer Gedenktafel 14
3.3 Vorträge und Veröffentlichungen in Periodika, Amtsblättern, u.ä. 14
3.4 Ausstellung "Botschaft der Scherben" 14
3.5 Internetauftritt zur Proßmarker Geschichte 15
3.6 Brandenburgische Landesaustellung 2014 15

4. Geschichtliche Einzelinformationen 15
4.1 Landwehr Lebusa 15
4.2 Dokumente zur Separation in Lebusa im 19. Jahrhundert 16
4.3 Hohenbucko = Hohbucki? 17
4.4 Landwehrverläufe Berga- Wehrhain- Naundorf 17
4.5 Herzogin/ Kurfürstin Offka (Euphemia von Oels) 17
4.6 Burgelt Schöna- Kolpien/ erforderliche Korrektur 18
4.7 Auseinandersetzung mit fehlerhaften historischen Auffassungen zur Regionalgeschichte 18

5. Heimatkundliche Beiträge zur Geschichte von Proßmarke 21
5.1 Geschichtliche Fakten zu Proßmarke (Auswahl von Quellen) 21
5.2 Burgwall von Proßmarke 22
5.2.1 Historische Hinweise /Quellen 22
5.2.2 Eingrenzung der Möglichkeiten einer Wallanlage bei Proßmarke 24
5.2.3 Mögliche Wallanlagen bei Proßmarke- Grundsatzüberlegungen 24

6. Zusammenfassung 28

Quellenhinweise 29
Anlagen (a Abb.)

1. Altfunde aus der Region
1.1 Altfunde aus dem ehemaligen Heimatmuseum Herzberg/ E.

a) Auffindesituation
Im Jahre 2012 wurden im Bereich des Amtes Schlieben zwei große Schachteln mit urgeschichtlichen Scherben und teilweise noch erhaltenen Gefäßen entdeckt. Beigelegt waren verschiedene Handskizzen und Zettel.
Der gesamte Fund war stark verschmutzt und verstaubt.
Es handelte sich um urgeschichtliche Funde aus einem katalogisierten Bestand. Die Verpackung (Kartonagen) und der Verschmutzungsgrad ließen auf einen langen Liegezeitraum schließen.
Es wurden jedoch keine direkten Hinweise auf einen ehemaligen Besitzer, Absender, Adressat o. ä. gefunden.
Die Funde wurden vom Freundeskreis Zliuuini gesichert, gesäubert, in Augenschein genommen, erfasst, fotografiert und neu verpackt.

b) Fundstücke
- Reste von Beschriftungen:
Es wurden Reste von Papptafeln mit Beschriftungen festgestellt.
Die Beschriftungen umfassten
- "Das jungsteinzeitliche Bauernvolk…"
- "Bauernvolk der Bronzezeit…"
- "Germanentum..."

Archäologische Fundstücke:
Es handelt sich um Altfunde, die bereits einmal katalogisiert wurden, Auffindezeit spätestens nach dem 1. Weltkrieg, evtl. sogar früher von verschiedenen Fundorten:

1 rundes Gefäß mit Henkel; gelblich- schmutzigbraun; rundum Rillenverzierung;
Dm Standfläche 4,6 cm
Dm Öffnung 11,2 cm
Höhe 5 cm
Beschriftung (alt) Prieschka Db 69
Es handelt sich offensichtlich um ein Exemplar der Sammlung A. Voegler aus den Ausgrabungen eines bronzezeitlichen Gräberfeldes bei Prieschka.

1 rundes Gefäß ohne Henkel; hellbraun mit weißgrauer Maserung im Material, eine rundum laufende Riefe; s. Tafel 1
Dm Standfläche 3,5 cm
Dm oberer Außenrand 9,6 cm
Höhe 6,2,cm
Beschriftung (alt) IV.3.7. Db 444d
Auch dieses Gefäß gehört zur Sammlung A. Voegler, der Fundort fehlt.

1 bauchiges Gefäß mit Hals, Bauch strichverziert, verschied. Richtungen;
dunkelgrau- bräunlich, ohne Henkel
Dm Standfläche 5,8 cm
Dm Öffnung 5,0 cm
Höhe 12,5 cm
Beschriftung (alt) Db 108c.

1 zylindr. Gefäß mit konischem, hohlen Standfuß ("Pokal"), hellbraun/dunkelbraun, Rillenverzierung rundum am Fuß und an der unteren Hälfte des Konus;
Dm Standfuß 6,3 cm
Dm ob. Öffnung 8,3 cm
Höhe 11,5 cm
Beschriftung (alt) Da 9.

1 Gefäß mit abgebrochenem Knubben; dunkelbraun/schwärzlich; innen schwarz ;
Dm Standfuß 5,5 cm
Dm Öffnung 8,5- 10,0 cm (oval)
Höhe 9,5 cm
Beschriftung (alter Zettel) "Reliquie…Frankenhain".

1 bauchiges, tassenförmiges Gefäß mit Wandabbruch und Papieraufkleber, dunkelbraun, mit Knubbe;
Zettelaufschrift .
Dm Standfuß 6,5 cm
Dm Öffnung 13 cm
Höhe 11 cm
Beschriftung (alter Zettel) " Reliquie…Frankenhain".

1 bauchiges Gefäß mit zwei Knubben, oberer Rand bruchstückig abgebrochen; dunkelbraun;
Dm Standfuß 5 cm
Dm Öffnung 9 cm
Höhe 9,5 cm
Beschriftung (alt) Db 98.

1 Unterteil eines schüsselartigen Gefäßes (Oberteil abgebrochen), braun; strahlenförmige Verzierung vom Standfuß aus nach oben verlaufend ;
keine Beschriftung.

Vielzahl von Scherben unterschiedlichster Art, Größe und Farbe;
darunter eine Scherbe 22x15 cm mit einer Knubbe und einem Zettelrest (alt);
"Reliquie…Frankenhain",

- Handskizzen:
Den Fundstücken lagen zwei Handskizzen bei,
Blatt 1: Beschriftung "Beigaben Kindergrab…"
Blatt 2: Vermutlich eine Lageskizze.
Eine Deutung dieser Skizzen steht noch aus.

- Rest einer Tageszeitung:
"Lausitzer Rundschau" vom 20.1.1962,
vermutlich als Einwickelpapier nach dem Abräumen der Fundstücke.

- Weitere angegebene Fundstücke:
Es fehlen: Feuersteinbeil, Oberteil einer Fischharpune, Messer und Schaber, Gewandnadel, Gappenaxt und ggf. weitere Werkzeuge, Waffen oder Schmuckteile.

c) Bewertung:
Es handelt sich bei diesen Fundstücken vermutlich um ausgeliehene Exemplare aus dem ehem. Heimatmuseum Herzberg/E. für eine Ausstellung o.ä. in Schlieben (nähere Angaben dazu unklar).
Diese Ausstellung könnte Ende 1961 beendet worden sein.
Die Werkzeuge, Schmuckstücke unter 2e) wurden vermutlich gestohlen.
Es handelt sich vielfach um Fundplätze bei Frankenhain und Prieschka.
Die Bezeichnungen mit D… gehen auf A. Voegler zurück.

1.2 Altfunde aus dem Schullandheim Körba

a) Auffindesituation:
Im Jahre 2012 wurde aus dem früheren DDR- Schullandheim Körba ein Fundkomplex archäologischer Altfunde gesichert. Es handelt sich um eine Vielzahl von Scherben, ungeordnet in einer Pappkiste, vermischt mit Info- Zetteln einer früheren Präsentation, mit Resten von kleinen Modellen, mit Bauschutt und Abfall.
Der Freundeskreis Zliuuini hat diese Funde gesäubert, geordnet, vielfach fotografiert und zusammengestellt.

b) Fundstücke:
- Informationszettel:
Die Informationen über die Funde zeigen eine große Spannweite der Einzelexemplare- von bronzezeitlichen und mittelalterlichen Gefäßen über Raseneisensteinstücke bis zu zwei Uniformknöpfen der letzten deutschen Kaiserzeit.
Die Informationszettel, kleine beschriftete Pappstreifen, weisen auf eine Ausstellung hin, die vermutlich in das Lehrprogramm des Schullandheimes integriert war.
Angaben zu den Nutzungsjahren liegen nicht vor.

- Archäologische Fundstücke:
Es handelt sich hauptsächlich um mehr oder minder große Scherben von Gefäßen, von Spinnwirteln und Eisenschlacken.
- Zwei Spinnwirtel aus der Jungsteinzeit oder der Bronzezeit; braune Scherben von einem Rautopf der Jungbronzezeit; blaugraue Randstücke des deutschen Mittelalters.
- brauner Gefäßrest vermutlich Bronzezeit; blaugraue Keramik des deutschen Mittelalters; braune Keramik (unbest. Zeit).
- Blaugraue Keramik des deutschen Mittelalters.
- Blaugraue Keramik des deutschen Mittelalters; u.a. Blumenmuster vermutlich neuzeitlich.
- Verzierte Scherbe des deutschen Mittelalters, das Wellenmuster ist nicht zwangsläufig slawisch, da das selbe lange Zeit verbreitet war und das Material der Scherbe eindeutig mittelalterlich ist (identisch mit Aussage des Landesamtes für Archäologie Dresden/ Referat Archäologisches Archiv v. 9.5.12).

c) Fundorte:
- Geschmolzener Raseneisenstein Nähe Bockwindmühle Lebusa
- Bronzezeitl. Gefäßscherben Dachsberg b. Weidmannsruh
- Bronzezeitl. Gefäßscherben Dorfstraße Lebusa
- Bronzezeitl. Gefäßscherben Körba "Hundezahl" oder "Hundezagel"
- Gefäßscherben deut. Mittelalter Lebusa, Nähe "Blutstiege"
- Gefäßscherbe deut. Mittelalter Lebusa, Reitplatz
- Raseneisenstein/ Schlacken Um den Körbaer Teich
- 2 Spinnwirtel Unbekannt
- 2 Uniformknöpfe Unbekannt.
Die archäologischen Ortsakten im BLDAM für Lebusa und Körba geben in den dortigen Fundplätzen keinen Zusammenhang zu den hier vorliegenden Fundstücken.


- Versuch der Fundorte- Eingrenzung:
Die angegebnen Fundorte sind ziemlich ungenau, nur ungefähr. Auf Grund von Nachfragen bei ortskundigen Bewohnern sowie von Kartenstudien lassen sich die Fundorte derzeit nur grob wie folgt eingrenzen (Mbl: Messtischblatt 1: 25 000):

- Bockwindmühle Lebusa Mbl. 4246 Schlieben N um 3,0 O um 17,8
- Dachsberge bei Weidmannsruh Mbl. 4246 Schlieben
(unter Dachsberg werden Hügelgruppen im Gelände verstanden und nicht ein Einzelberg, diese Hügelgruppe liegt zwischen Lebusa und Weidmannsruh, identisch mit Fpl. 5 in der Ortsakte im BLDAM)
- Dorfstraße Lebusa Mbl. 4246 Schlieben N um 1,5 O um 19- 23
- Körba "Hundezahl/ Hundezagel" Mbl. 4146 Dahme/ Mark S 5,0- 6,0 O 24,4- 25,4
(Bewohner verwenden den Flurnamen "Hundezagel", also Hundeschwanz und nicht "Hundezahl")
- Lebusa "Blutstiege" Mbl.4146 Dahme S 2,6 W 23,0
(in der Ortsakte Lebusa im BLDAM wird der Fundort (Fpl. 12) mit "Galgenberg- Blütenstiegel" benannt; der Flurname lautet jedoch korrekt "Blutstiege", es ist der mittelalterliche Weg zum Galgenberg, der Ausdruck "Blütenstiegel" ist den Anwohnern unbekannt, vermutlich eine neuzeitliche Erfindung).

- Lebusa Reitplatz Mbl. 4246 Schlieben N 1,5- 2,0 O 32,0- 23,5
- um den Körbaer Teich Mbl. 4146 Dahme/ Mark S um 6- 9 O um 24- 26.

d) Bewertung:
Es handelt sich vermutlich um Funde aus DDR- Zeit infolge zufälliger Entdeckung oder bei Bauarbeiten, evtl. muss auch an die eine oder andere Raubgrabung an bronzezeitlichen Gräbern gedacht werden.
Diese Funde sind bisher vermutlich weder gemeldet noch katalogisiert.
Es ist nicht bekannt, ob es sich von vornherein um Scherben handelte oder ob die Gefäße beim Auffinden noch intakt waren.
Eventuell besteht die eine oder andere Beziehung zu Fundplätzen der Ortsakte Lebusa.
Eine helle Scherbe mit Wellenlinien (evtl. von einer Schüssel) stammt aus dem deutschen Mittelalter und nicht aus slawischer Zeit. Wellenlinien waren Jahrhunderte lang ein beliebtes Verzierungsmotiv, hier handelt es sich um so genannte "Kammstrich- Wellen" eines hellgrauen, mittelalterlichen Materials, das perfekt getöpfert wurde. Auch die Fingertupfen- Verzierung auf dem Rand deutet auf das deutsche Mittelalter hin (ca. 1350- 1450), desgleichen die Scheibendrehung mittels Töpferscheibe. Vielleicht hat ein ehemals slawischer Töpfer das Strichmuster mit der Wellenlinie in deutscher Zeit nachgestaltet.

1.3 Altfunde aus Privatsammlungen

a) Fundstelle: Malitschkendorf am Burgwall; östlich der Landstraße Malitschkendorf- Schlieben,
- ca. 150- 200 m nordnordwestlich des Burgwalles, direkt östlich d. Straße und dem Flurstück (Acker/ Wiese)
- Mbl. 4246 Schlieben S 5,0 W 5,5- 6,0
- Nutzung: Landwirtschaftlich (Wiese, tlw. Acker)
- Gefährdung: Landwirtschaftliche Nutzung
- Art der Funde: Oberflächen- Lesefunde beim Pflügen
- Datum der Auffindung: Vor ca. 50 Jahren
- Finder: Willi Ernst, Schlieben (Großvater von Norbert Ernst, 04936 Schlieben, Lange Str. 20)
- Lage u. Anordnung der Funde: Unbekannt
- Fundbeschreibung:
31 Stck. relativ große Keramikscherben, sehr gut erhalten, fast alle mit Verzierungen:
Verzierte Wandscherben vermutl. Bronzezeit oder späte Bronze-/ frühe Eisenzeit
Scherben mit Henkelansätzen vermutl. Bronzezeit oder späte Bronze-/ frühe Eisenzeit
Scherbe mit vollständigem Henkel vermutl. Bronzezeit oder späte Bronze-/ frühe Eisenzeit
Dickwandige, grob gemagerte Scherben, vermutl. Römische Kaiserzeit
Schwärzlich- glänzende, geriefte Scherben, vermutl. Slawenzeit
Blaugraue, harte Keramik (tlw. mit Knubben u.ä.) des Deutschen Mittelalters
Braune Scherben unbekannter Zeitstellung.
- Zeitstellung: Bronzezeit, Römische Kaiserzeit, Slawische Zeit, Deut. Mittelalter
- Bemerkungen: Die Fundstücke wurden nach dem Tode des Finders und Großvaters Willi Ernst durch Herrn Norbert Ernst sichergestellt.
- Fundmeldung: Schlieben, den 6.2.13

b) Schlieben, südlicher Ortsrand:
- Lage: Mbl. 4246 Schlieben S 10,0 W 14,4
- Art des Fundes: 1 Spinnwirtel, hellgrauer Ton Durchmesser 3,3 cm, Dicke 1,7 cm, Innenlochdurchmesser 1…1,1 cm.
- Oberflächen- Lesefund
- Finder/ Funddatum: Hans- Dieter Lehmann Schlieben, ca. 1985
- Fundmeldung v. 9.4.13
c) Funde von Herrn Werner Zimmermann, Schlieben/ Gegend rund um Schlieben
Fundmeldungen alle vom 13.5.13:

- Schlieben; Perlmuttabfälle aus handwerklicher Produktion,
Mbl. 4246 Schlieben S 8,8 W 16- 17 Westteil des Langen Berges, Friedhofsbereich
Funddatum 70ger Jahre des vorigen Jhdts.
(Lit.: Heimatkalender f. d. Krs. Herzberg, 1955, S. 54).

- Freileben; mehrere blaugraue Scherben des deut. Mittelalters, ein Feuersteinsplitter:
Mbl. 4246 Schlieben N 9.8 O 25,2 nordwestlich von Weidmannsruh im Wald
Funddatum achtziger Jahre des vorigen Jhdts.

- Lebusa; mehrere blaugraue Scherben des deut. Mittelalters, ein Feuersteinsplitter
Mbl. 4246 Schlieben N 12,5 O 24,4 südwestlich von Weidmannsruh im Wald
Funddatum 1989 .

- Lebusa; zwei blaugraue Scherben:
Mbl. 4246 Schlieben N 2,7 W 11,7 ca. 3 km westlich von Lebusa im Wald
Funddatum 1995.

- Schlieben, mehrere urgeschichtliche Scherben (Bronzezeit, Römische Kaiserzeit), ein Kernstein aus Feuerstein
Mbl. 4246 Schlieben S 5-6 W 13- 14 südsüdwestlich der Steigemühle
Funddatum 80ger Jahre des vorigen Jhdts.

- Berga; mehrere Scherben (Bronzezeit, römische Kaiserzeit, deut. Mittelalter)
Mbl. 4246 Schlieben W 12,1 S 21,4 nordwestlich von Berga
Funddatum 1989.

2. Neufunde der Region 2010- 2013 (Schwerpunkte)
2.1 Fundmeldungen

a) Freileben, Wallrest Nord, Fundplatz 8:
- Mbl. 4246 Schlieben N 4,6- 5,2 W 16,2- 16,7
- Funde: Oberflächen- Lesefunde; Acker
über 200 Scherben, z.T. verziert, einige mit Knubben, etliche bis faustgroße Stücke Sekundärbrand, Holzkohlestücken Eisenschlacken bis über Faustgröße (direkt am Wall)
- Zeitstellung: Bronzezeit, Römische Kaiserzeit
- Lage der Funde: Regellos, hauptsächlich im Wallinnern und unmittelbar am Wall im Süden und Westen, die Bereiche östlich und nördlich außerhalb des Walles sind weitgehend fundleer.
- Bemerkungen: Wallrest ca. 70 x 90 m, ovaler Ringwall, Höhe im Westen bis 70 cm, sonst verflacht, kaum erkennbar.
- Finder: Dr. Gert Wille/ Dresden, Mannfred Schmidt/ Hohenbucko
- Fundmeldung: 22.4.10 (für mehrere Begehungen)

b) Striesa West, Acker:
- Mbl. 4246 Schlieben N 6,1- 6,3 W 13,6- 14,1
- Fund: Oberflächen- Lesefund; 1 Scherbe
- Zeitstellung: Vermutl. Bronzezeit
- Finder: Mannfred Schmidt/ Hohenbucko
- Fundmeldung: 10.5.10

c) Hohenbucko, Vossberg, Westhang, nordwestlich vom Ort:
- Mbl. 4246 Schlieben O 4,5- 5,5 N 13,5- 14,5
- Funde: Oberflächen- Lesefunde; mehrere Scherben (u.a. Rand- und Henkelstücke),
- Zeitstellung: Deutsches Mittelalter
- Finder: Gernot Richter/ Hohenbucko, Mannfred Schmidt/ Hohenbucko, Dr. Gert Wille/ Dresden
- Bemerkungen: Im Luftbild (google) erscheint auf der Bergkuppe ein heller Kreis (evtl. Auswaschungen?), die aber vor Ort unsichtbar bleiben
- Funddatum: 17.7.2011
- Fundmeldung: 10.8.11

d) Proßmarke, Fundplatz 6 "Spargelfeld":
- Mbl. 4246 Schlieben O 3,5 S 18,0- 18,2 (bzw. N 26,5)
- Funde: Oberflächen- Lesefunde; mehrere Eisenschlackestücke, Sekundärbrand, Holzkohle
- Zeitstellung: Römische Kaiserzeit
- Funddatum: Herbst 2011
- Finder: Dr. Gert Wille/ Dresden
- Fundmeldung: 10.1.12

e) Proßmarke, Grenzbereich Fundplatz 5 südlich vom Ort, Landstraßennähe:
- Mbl. 4246 Schlieben
- Fund: 1 Schleuderstein, rötlichgrau (Ellipsoid)
- Zeitstellung: Unbekannt, evtl. Römische Kaiserzeit (?)
- Finder: Marc Leitlauf
- Fundmeldung: 9.4.13

f) Hohenbucko Gehöft Dorfstr. 21 (G. Richter):
- Mbl. 4246 Schlieben O 9,6 N 13,0
- Funde: Lesefunde bei Gartenarbeiten, mehrere Scherben
- Zeitstellung: Deut. Mittelalter
- Funddatum: Frühjahr 2013-08-19
- Finder. Gernot Richter/ Hohenbucko
- Fundmeldung: 9.4.13

g) Proßmarke, Fundplatz 6 "Spargelfeld":
- Mbl. 4246 Schlieben O 3,5 N 26,5 (bzw. S. 18,0- 18,2)
- Funde: Oberflächen- Lesefunde; Eisenschlackestück 1 kg, Holzkohle, Henkelrest, 1 Schleuderstein grau (Ellipsoid)
- Zeitstellung: Römische Kaiserzeit, Deut. Mittelalter
- Finder: Marc Leitlauf/ Proßmarke
- Funddatum: 23.4.13
- Fundmeldung: 23.4.13

h) Fundstelle Lebusa, "Weinberg", Südwest- Hang, Nähe Waldkante:
- Lage: Mbl. 4146 Dahme O 19,7 S 0,6
- Art der Funde: Oberflächen- Lesefunde
- Funddatum: 5.6.2012
- Finder: Hans- Dieter Lehmann/ Schlieben; Gernot Richter/ Hohenbucko;
Mannfred Schmidt/ Hohenbucko; Harry Widmer/ Herzberg/ E.; Dr. Gert Wille/ Dresden.
- Lage u. Anordnung der Funde: Unregelmäßig verstreut, konzentriert in einer kleinen Senke von ca. 30 x 30 m unmittelbar südlich der Geländekuppe.
- Fundbeschreibung:
85 Einzelscherben der Größe 1 x 1 cm bis 5 x 5 cm, tlw. mit Randwulst, keine erkennbaren Verzierungen:
- 6 urgeschichtliche Scherben, schwärzlich- grau- rötlich, ca. 2 x 3 cm, an einer Scherbe kaum erkennbare Strichlinien
- 21 blaugraue Scherben des Deutschen Mittelalters, darunter 2 Randstücke und eine Scherbe mit leichten Strichen
- 20 schmutzigbraune Scherben des Deutschen Mittelalters, darunter 1 Henkelstück und ein rundliches Fußteil D: 2,8 cm
- 38 graue bis hellgraue Scherben, Zeit unbestimmt, darunter 3 Randstücke und 2 Bodenansätze
- 22 Scherben Neuzeit und Zeit unbest., dar. 1 Randstück glasiert.
- Zeitstellung: Urgeschichtlich, deut. Mittelalter, Neuzeit, unbest. Zeit
- Bemerkungen: Der Fundplatz könnte evtl. identisch sein mit dem Fpl. 13 in der Ortsakte, allerdings steht eine exakte Prüfung noch aus.
(Dabei ist die Koordinatenangabe in der Ortsakte "H 57 41520" für das Mbl. 4146 zu überprüfen).
- Fundmeldung: 12.6.12

i) Fundstelle: Lebusa Ortsmitte, Schulstr. 55:
- Messtischblatt 4246 Schlieben N 0,8 O 21,0
- Lage/ Flurname: Flur 3, Fl.- St. 34/1
- Eigentümer/ Finder: Dieter Müller (Nutzung: Grundstück/ Wohnen)
- Fundumstände: Oberflächenfunde bei oberflächigen Erdarbeiten auf dem Grundstück
- Datum der Auffindung: Juli 2010
- Fundbeschreibung:
Keramikfunde:
3 Randstücke (3,5x 1,5 cm; 5x 3,5 cm; 8x 6 cm mit bauchigem Ansatz)
1 Bodenansatz (6,5x 3,5 cm, Dicke 0,8- 1,5 cm)
2 glatte Wandscherben (3x 1,5 cm; 4,5x 2,5 cm, Dicke 0,3 cm)
2 Wandscherben mit umlaufender Kante, vermutl. als Verzierung (5x 6,5 cm; 3x 2,5 cm; Dicke 0,3- 0,5 cm)
graublaue, harte Keramik
- Zeitstellung: Deutsches Mittelalter (ca. 1370- 1450)
- Fundmeldung: 5.2.13

j) Fundstelle: Freileben, Friedhof, am Ortsrand:
- Messtischblatt 4246 Schlieben N 8,8 W 18,2
- Fund: Hälfte eines metallenen Hufeisens, sehr stark korrodiert
- Fundumstände: Fund aus Grabaushub, Tiefe unbekannt,
- Datum der Auffindung: 18.2.2005
- Finder: Harry Widmer, Torgauer Str. 7, 04916 Herzberg/ Elster
- Lage u. Anordnung der Funde: unbekannt, da im Grabaushub
- Fundbeschreibung: Hälfte eines metallenen Hufeisens, sehr stark korrodiert, Rostabblätterungen, Nagellöcher zugerostet, Abmessungen: 16 cm lang, max. 4 cm breit, mit Winterstollen
Erhaltungszustand: Extrem schlecht (Korrosion)
- Zeitstellung: Vermutlich 16. Jhdt. (Vorläufer- Siedlung von Freileben?)
- Fundmeldung: 3.5.12

k) Hohenbucko, Fundstelle "Schwarzburger Berg" Südost- Hang, Fundpl. 7:
- Messtischblatt 4246 Schlieben O 3,5- 4,5 S 25,5
- Funddatum: 25.4.12
- Finder: Gernot Richter/ Hohenbucko; Dr. Gert Wille/ Dresden
- Funde: 20 unverzierte Wandscherben schmutzigbraun, Deutsches Mittelalter (Abmessungen 2x2 bis 3,5x3,5 cm)
- Fundmeldung: 25.10.12

l) Hohenbucko, Fundstelle Landstr. nach Proßmarke/ ö der S- Kurve, Fundpl. 4:
- Messtischblatt 4246 Schlieben O 3,0- 3,2 N 20,9- 21,6
- Funddatum: 25.4.12
- Finder: Gernot Richter/ Hohenbucko; Dr. Gert Wille/ Dresden
- Funde: 8 unverzierte Wandscherben schmutzigbraun, Deutsches Mittelalter
(Abmessungen 2x2 bis 3x3 cm)
- Fundmeldung: 25.10.12

m) Hohenbucko, Fundstelle ö der Landstraße nach Proßmarke, Fundpl. 3:
- Messtischblatt 4246 Schlieben O 1,3- 2,8 N 22,3- 23,3 ("Rollweg- Nord")
- Funddatum: Jan.- Sept. 2012 (Mehrfachbegehung)
- Finder: Dr. Gert Wille/ Dresden
- Funde: 6 urgeschichtliche Scherbenreste (vermutl. Bronzezeit oder Römische Kaiserzeit)
5 graublaue unverzierte Wandscherben (Deutsches Mittelalter)
28 schmutzigbraune unverzierte Scherben (Deut. Mittelalter), dar. Rand- und Bodenansätze
80 Stück gebrannte Lehmklumpen (2-3x 2-3 cm)
2 faustgroße Eisenschlackeklumpen
2 eichelgroße Eisenschlackeklümpchen
(Scherbenabmessungen ungefähr 2x2 bis 3,5x3,5 cm).
- Fundmeldung: 25.10.12.

n) Fundstelle: Wehrhain, Wehrhainer Lindenstr. 4/ Grundst. Göhler; Gartenzeile Süd:
- Messtischblatt 4246 Schlieben O 21,9 S 9,0- 9,1
- Lage/ Flurname: Fundplatz Nr. 2/ Wehrhain, Flst. 91/ 3
- Eigentümer/ Pächter: W. Göhler, Nutzung: Garten
- Art der Funde: Oberflächen- Lesefunde bei Gartenarbeiten
- Funddatum: Innerhalb der letzten Jahre, mehrfach
- Finder: W. Göhler, Wehrhain, Wehrhainer Lindenstr. 4
- Lage u. Anordnung der Funde: Oberfläche, keine Ordnung erkennbar
- Fundbeschreibung:
Einige Feuersteinabschläge; Vielzahl von glatten Wandscherben, Rand- und Bodenansätzen, einige Standfüße, verschiedene Scherben mit Strichverzierungen, eine handtellergroße steinerne Platte mit vermutlich teerartigen Resten, grünliches Altglas.
- Zeitstellung:
Feuersteinabschläge - vermutl. Jungsteinzeit
Scherben, Rand- u. Bodenstücke - vermutl. Bronze- u. Röm. Kaiserzeit, Deut. Mittelalter
strichverzierte Scherben - vermutl. Slawisches Mittelalter
Standfußreste - vermutl. deut. Mittelalter
steinerne Platte mit vermutl. teerartigen Resten - unbekannt
grünliches Altglas - unbekannt
- Bemerkungen:
Der Fundort ist weitgehend identisch mit dem 1994 vergebenen Fundplatz Nr. 2 (südliche Gartenzeilen). Allerdings beschränkten sich die Funde von 1974 ausschließlich auf das deutsche Mittelalter.
Die Gegend um Wehrhain ist sehr fundreich, insbesondere Siedlungsreste und (zerstörte) Gräber deuten darauf hin. Die bisher aus 9 Fundplätzen nachgewiesenen Zeitperioden umfassen die Jungsteinzeit, die Bronze- und Eisenzeit sowie das deutsche Mittelalter, slawische Funde wurden nur vom Fundplatz Nr. 8 (weit nordwestlich des Dorfes gelegen, westlich der Landstraße nach Berga, südöstlich von Berga) vermutet aber nicht zweifelsfrei bestätigt. Damit sind die hier gefundenen, vermutlichen slawischen Scherben Erstbeweise einer slawischen Siedlungstätigkeit unmittelbar auf der heutigen Dorfflur.
- Fundmeldung: 24.4.12

o) Fundstelle Wehrhain, Wehrhainer Lindenstr. 4, Grundstück Göhler (s.o):
- gleiche Koordinaten wie o. g. Fundmeldung vom 24.4.12
- Funddatum: Mai/ Juni 2012
- Funde: ungefähr 50 urgeschichtliche Scherbenreste
ungefähr 50 mittelalterliche Scherben, u.a. mehrere Randstücke, blaugrau und schmutzigbraun
- Fundmeldung: 25.10.12

p) Malitschkendorf, Burgwall:
- Mbl. 4246 Schlieben W 4,7 S 3,5
- Funde: Oberflächen- Lesefunde,
urgeschichtliche Scherben davon eine schwarz mit Goldsprenkelung und Knubbe (Bronzezeit, Römische Kaiserzeit), 1 Stck. Sekundärbrand, 1 Knochenrest
- Finder: Dr. Gert Wille, Dresden
- Funddatum: 23.4.13
- Fundmeldung: 23.4.13

q) Proßmarke, Fpl. 3 "Wenddorf", Nordhang:
- Mbl. 4246 Schlieben O 0,5- 2,5 S 21,2-22,5
- Funde: Oberflächen- Lesefund, 1 Schleuderstein (vermutl. Bronzezeit oder Röm. Kaiserzeit), Ellipsoid.
- Finder: Marc Leitlauf, Proßmarke
- Funddatum: 23.4.13
- Fundmeldung: 23.4.13

r) Burgwall Langengrassau/ Vorgelände Südostrand:
- Mbl. 4147 Uckro O 3,5 S 17,1
- Fund: 1 blaugraue Scherbe 2 x 2,5 cm Größe (Deutsches Mittelalter)
- Finder: Gernot Richter, Hohenbucko
- Funddatum: 9.4.13
- Fundmeldung: 9.4.13

s) Herzberg/ Elster Kleingartenanlage Elsterland, Veilchenweg:
- Mbl. 4345 Herzberg/ E. N ca. 7,5 W ca. 23,0
- Funde: Lesefunde bei Gartenarbeiten; 5 Scherben (dar. 1 Henkelrest) Deutsches Mittelalter,
1 Glasstab verm. aus Glasproduktion, neuzeitlich.
- Finder: Harry Widmer, Herzberg/ E..
- Funddatum: Frühjahr 2013
- Fundmeldung: 13.5.13.

t) Naundorf/ b. Schlieben, Ortsrand und Ortslage:
- Mbl. 4246 Schlieben S 16,5 O 16,0
- Funde: 9 blaugraue Scherben des deut. Mittelalters (dar. 1 Randstück), 3 kleine Gefäße verm. aus der neuzeitlichen handwerklichen Töpferproduktion (Ausschuss)
- Finder: Gisela Moser/ Naundorf
- Funddatum: 2012- 2013
- Fundmeldung: 19.7.13

2.2 Bewertung

Die Funde belegen die dichte Besiedlung des Schliebener Landes von de Bronzezeit bis zum Mittelalter und der frühen Neuzeit.
Da zwei Drittel der Funde von bisher nicht kartierten Fundplätzen stammen, scheint es noch viele solcher Fundplätze in der Region zu geben.

Die mittelalterlichen Funde von Weidmannsruh deuten- bei aller Vorsicht der Interpretation- eventuell auf eine frühmittelalterliche Ortswüstung hin, wie etliche weitere Stellen in der Region ebenfalls belegen. Dieser unbekannte Ort bei dem heutigen Weidmannsruh war sicher nicht allzu groß und er wurde vermutlich auch nur über eine relativ kurze Zeit besiedelt. Über die Wüstungsursachen kann nur spekuliert werden. Die mittelalterlichen Orte rings um Weidmannsruh (Freileben mit dem Grunichsberg, Striesa, Lebusa) könnten die Menschen aus Weidmannsruh aufgenommen haben.

Die Funde vom Areal des verschliffenen Walles im Freilebener Norden stammen vorwiegend aus der Bronzezeit und vor allem der Römischen Kaiserzeit. Wissenschaftler sind der Meinung, dass Wall und Fundmaterial zeitlich nicht zusammen passen müssen. Vermutlich ist der Wall in späterer Zeit entstanden, vielleicht als Einfriedung für Vieh. Allerdings wäre er dann vermutlich nicht oval gestaltet, sondern viereckig- also das Rätsel ist noch längst nicht gelöst!

Die Schleudersteine stammen alle von belegten und bestätigten Fundplätzen der Bronze und der Römischen Kaiserzeit, wobei auch eine Vielzahl anderer Funde vorliegt. Somit fallen diese Schleudersteine als Siedlungsreste an, wie die anderen Fundstücke auch und weisen auf urgeschichtliche Besiedlungen hin. (Einzelfunde von Schleudersteinen im Gelände ohne diese genannten Bezüge sind dagegen nicht als urgeschichtliche Funde anzusehen, da der Befund fehlt und somit keine fachliche Aussage möglich ist).

Die Fundstücke vom Malitschkendorfer Burgwall bestätigen eine enorme Funddichte des Areals sowohl im Wallinnern als auch unmittelbar im Vorgelände. Selbst Maulwurfhaufen bringen Fundstücke ans Tageslicht.

Die mittelalterlichen Scherben aus den Dorflagen belegen das Alter bis hin zur Gründung des Ortes im Mittelalter.

3. Öffentlichkeitsarbeit des Freundeskreises Zliuuini (Auswahl)
3.1 Herausgabe von Büchern zur Heimatgeschichte der Region

Der Freundeskreis Zliuuini hat als Autorenteam im Berichtszeitraum folgende Bücher erarbeitet und herausgegeben:

a) Liubusua. Das tausendjährige Geheimnis von Deutschen und Wenden.
Regia Verlag Cottbus, 2011
ISBN 978- 3- 86929- 073- 7
107 Seiten, 29 Quellen, 27 Abb.

b) Das Gold vom Möhrenacker. Rätselhafte Geschichten zwischen Schwarzer Elster und Lausitzer Grenzwall.
Regia Verlag Cottbus, 2012
ISBN 978- 3- 86929- 107- 9
143 Seiten, 49 Quellen, 54 Abb.

c) Eine Bestie in Menschengestalt. Berühmte Kriminalfälle aus dem Elsterland.
Verlag BücherKammer Herzberg/E., 2012
ISBN 978- 3- 940635- 32- 7
91 Seiten, 17 Quellen, ohne Abb.

d) Der Franzosenmord von Jagsal 1813- 200 Jahre Erinnerung.
Regia Verlag Cottbus, 2013
ISBN 978- 3- 86929- 231- 1
46 Seiten, 17 Quellen, 15 Abb.

e) Der Hufschmied war der Mörder. Rechtsdenkmäler und Schlimme Fälle aus dem Elsterland.
Verlag BücherKammer Herzberg/E., 2013
ISBN 978-3-940635-40-2
199 Seiten, 12 Quellen, ohne Abb.

3.2 Gestaltung einer Gedenktafel

In Zusammenarbeit mit dem Amt Schlieben wurde eine Gedenktafel erstellt (Grafik und Layout: Design- Mix Schlieben). Der Freundeskreis Zliuuini lieferte Idee, Text und Bilder.
Diese Tafel wurde am 20.8.13 an der Napoleoneiche bei Jagsal enthüllt.

3.3 Vorträge und Veröffentlichungen in Periodika, Amtsblättern, u.ä.

a) Fachliche Vorträge im Rahmen von Präsentationen eigener Bücher:

30.7.2011 Lebusa, Dr. G. Wille: "Liubusua- 200 Jahre Hoffnungen und Irrungen"
28.2.2012 Herzberg/ E., Dr. G. Wille: "Geschichtliche Geheimnisse und Rätsel zwischen Lausitzer Grenzwall und Schwarzer Elster".
19.9.2012 Herzberg/E., Dr. G. Wille: "Historische Kriminalfälle seit der Urzeit"
20.8.2013 Jagsal, H.-D. Lehmann: "Ereignisse um den Jagsaler Franzosenmord 1813"

b) Fachliche Vorträge zu historischen Fachthemen:
- Im Rahmen der Ausstellung "Die Botschaft der Scherben":
26.2.2013 Schlieben, Dr. G. Wille: "Scherben und Schlacken, Knochen und Holzkohle- Geheimnisträger der Schliebener Vergangenheit" - 1. Teil
18.6.2013 Schlieben: Dr. G. Wille: 2. Teil des o.g. Themas

c) Heimatkundliche Vorträge:
14.10.2012 Jagsal, Dr. G. Wille: "Wellfleischessen bei den Ur- Jagsalern. Eine unernste kulinarisch- historische Betrachtung" (anl. Hoffest d. Fa. Schülzke/ Jagsal).
17.11.2012 Schlieben, Dr. G. Wille: "Historische Funde und Rätsel rund um Schlieben "
(anl. Veranstaltung des Schliebener Weinbauvereines).
28.11.2012 Herzberg, H.-D. Lehmann: "Was Großvater einst in der Zeitung las" (anlässlich der Präsentation des Heimatkalenders 2013).


d) Veröffentlichungen im Schliebener Amtsblatt:
- "Die Botschaft der Scherben", Nr.2/ 2013 vom 15.2.2013, S. 5 und in Nr. 5/ 2013
vom 17.5.2013, S. 9

e) Heimatkalender für die Region Herzberg:
(z.Z. noch nicht erschienen).

3.4 Ausstellung "Botschaft der Scherben"

Am 26.2.2013 wurde im Amt Schlieben eine Ausstellung mit ur- und frühgeschichtlichen Neufunden aus der Region eröffnet. Diese Ausstellung führte der Freundeskreis Zliuuini gemeinsam mit dem Amt und der Stadt Schlieben durch.
Es wurden drei Tischvitrinen mit Funden und textlichen Erläuterungen belegt (s. Tafel 5). Ein Zeitstrahl über die gesamte Ausstellungsfläche verdeutlichte die historischen Perioden.
Der Titel der Ausstellung lautete:
"Die Botschaft der Scherben.
Ur- und frühgeschichtliche Funde des Schliebener Landes geben ihre Geheimnisse preis".
Der Inhalt der Ausstellung wurde mit der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Elbe- Elster detailliert und mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum Wünsdorf prinzipiell abgestimmt.
Die Eröffnungsveranstaltung am 26.2.13 wurde von ca. 60 Teilnehmern besucht, die Presse berichtete darüber.
Diese Eröffnungsveranstaltung schloss mit dem Appell an alle Heimatfreunde, Altfunde und auch neue Oberflächen- Lesefunde der Wissenschaft zur Verfügung zu stellen.
Die Resonanz war so groß, dass am 18.Juni 2013 die Ausstellung umgebaut werden musste und der überwiegende Flächenteil durch diese neu eingelieferten Funde eingenommen wurde.
Diese Ausstellung, die mit einem "Merkblatt über den Umgang mit…Bodenfunden…" begleitet endet am 30.11.13.

3.5 Internetauftritt zur Proßmarker Geschichte

Der Freundeskreis Zliuuini begann im April 2011, gemeinsam mit Proßmarker Heimatfreunden, mit der Entwicklung eines Konzeptes für einen Internetauftritt zur Geschichte der kleinen Gemeinde Proßmarke (ca. 200 Ew.) zu entwickeln. Dieser Internetauftritt sollte nicht nur Jahreszahlen und Schlagwörter zeigen, sondern es sollten Inhalte und Zusammenhänge fachlich fundiert und leicht verständlich dargestellt werden.
Vom Freundeskreis Zliuuini wurden alle fachlichen Berichte, Ausarbeitungen einschließlich der dafür erforderlichen Fotos etc. zur Geschichte erarbeitet und zur Verfügung gestellt.

Der Internetauftritt ist wie folgt zu erreichen:

www.prossmarke.de (wikipedia- Eintrag)
weblink unten: "Geschichte von Proßmarke"
oder
www.Brp-elektro.de

Die homepage wird laufend aktualisiert.
Das Projekt zeigt, welche Ergebnisse heimatkundliches Engagement auch für kleine Orte bringen kann, wenn die Partner nach dem hierfür einzig möglichen Grundsatz "jeder trägt seinen Aufwand selbst" arbeiten. Bisher waren Fördermittel, Sponsorengelder, Zuwendungen Dritter o. ä. nicht möglich. Somit ist dieser Internetauftritt ohne jegliche staatliche Unterstützung entstanden.

3.6 Brandenburgische Landesaustellung 2014

In Vorbereitung der 1. Brandenburgischen Landesaustellung 2014 in Doberlug unterstützte der Freundeskreis Zliuuini den Partner Kultur- und Orgelzentrum Lebusa e.V. bei der Wahrnehmung von zentralen Terminen in Doberlug:
- 20.1.2012 Vorbereitungsveranstaltung
- 10.8.2012 Kulturkonferenz.

4. Geschichtliche Einzelinformationen für Heimatfreunde
4.1 Landwehr Lebusa

Die Suche nach längst vergangenen Landwehren verlaufen meist ergebnislos. In der Regel bestanden diese ohnehin nur aus einem Wall, entstanden aus beidseitigen Grabenauswurf und Kronenbepflanzung mit widerspenstigem Buschwerk. Solche Natur belassenen Bauwerke vergehen schnell und sie hinterlassen keine Spuren. Auch fehlen die bei anderen archäologischen Objekten vorkommenden Funde, wie Scherben, Schlacken u.a. Wenn dann auch keine zuverlässigen alten Pläne, Karten u. dgl. vorhanden sind, ist der Sucherfolg oft nicht gegeben. Auch die Landwehren von Lebusa gaben in der Vergangenheit Rätsel auf. Glaubten doch manche Heimatfreunde, diese in den Höhenzügen der Wälder nördlich und südlich des Ortes suchen zu müssen. Doch diese Dünen sind mit Sicherheit Produkte der letzten Eiszeit. Außerdem liegen sie vom Ort Lebusa zu weit entfernt. Die Auswertung der Fachliteratur reduziert sich auf folgende zwei Quellen (da alle anderen Hinweise darauf "abgestimmt" sind und nicht Neues bieten):

Spazier, Ines: "Die mittelalterlichen Burgen und Herrensitze in der Niederlausitz im Vergleich zu den westlich und südlich angrenzenden Siedlungsgebieten. Eine archäologische, historische und archivalische Studie.
Technische Universität Dresden, Dissertation, 1993, S. 168- 169:
"…direkt nördlich und südlich des Ortes… große …und kleine Landwehr".

Stoy, Fritz: Langwälle als Befestigung und Schutzwehren im Elsterland.
In: Heimatkalender Krs. Herzberg 1957, S. 45 :
"…liegen der Dorfschaft ganz nahe….reine Ortswehren…
Feldplanbuch Lebusa…beide deutet auch das Messtischblatt an…"

Leider hat F. Stoy das "Messtischblatt" nicht genauer bezeichnet. Lebusa liegt aber exakt auf der Grenze der beiden Messtischblätter 4246 Schlieben und 4146 Dahme. Erstaunlich, dass F. Stoy das nicht bemerkt haben sollte? Denn weder Schlieben (das südliche Blatt) noch das nördlich Dahme zeigen Eintragungen, die auf eine Ortswehr hinweisen. Dabei wurden alle bekannten Ausgaben seit 1847 durchgesehen.I. Spazier verweist noch auf eine angebliche Originalquelle aus dem 19. Jhdt. hin (Staatsarchiv Magdeburg: Rep. C 20V Lebusa Sep. Nr.1), die zwar wörtlich noch nicht ausgewertet wurde, jedoch aber keinen kartierten Verlauf enthält. Auch die beiden Altmeister der Bodendenkmalforschung dieser Region K. B. Preusker (Großenhain) und Dr. F. A. Wagner (Schlieben) berichten in ihren Hauptwerken (1828 bzw. 1833) mit keinem Wort über Landwehren bei Lebusa, obwohl sonst alle möglichen Landwehrverläufe beschrieben und eingezeichnet sind.

Fazit: Da es sich angeblich um ortsnahe Bauwerke des ausgehenden Mittelalters gehandelt hat, dürften beide Wallzüge den damaligen Ortskern umschlossen haben. Diese Ortskerngrenze ist aber in den folgenden Jahrhunderten vielfach überbaut und weiter ausgedehnt worden. Geländekonturen oder Funde sind damit wohl nicht mehr zu erwarten. Lediglich ein Dorfgrundriss des 15. Jahrhunderts- sofern es einen solchen gäbe- wäre eine letzte Hoffnung auf Landwehrverläufe um Lebusa.

4.2 Dokumente zur Separation in Lebusa im 19. Jhdt.

Der Freundeskreis Zliuuini hat 2012 folgende Dokumente aus dem Landeshauptarchiv Sachsen- Anhalt/ Abt. Magdeburg beschafft zwecks Auswertung durch Heimatfreunde in der Region:
Akte: C 20 V, Sep. Lebusa 1- 9 (64 Seiten), ohne Karten
C20 V Sep. Lebusa 1: Abfindungen Knippelsdorf und Körba für Grasnutzung (1826- 31)
C20 V Sep. Lebusa 2: Entscheidungen zur Nutzung der Wiesen am Landgraben (1833)
C20 V Sep. Lebusa 3 : Entscheidungen zur Holzlese durch den Körbaer Schenkwirt
G. Lehmann (1853- 55)
C20 V Sep. Lebusa 4: Ablösung von Reallasten in Lebusa (1855- 59)
C20 V Sep. Lebusa 5: Rezess in der Separationssache Lebusa (1859- 60; 1897)
C20 V. Sep. Lebusa 6: Ablösungssache zwischen Rittergut Lebusa und dem Mühlenbe-
sitzer Pötzsch (1850- 51, 1862)
C20 V Sep. Lebusa 7: Gemeinschaftliche Angelegenheiten in der Separationssache
Lebusa (1896- 1948)
C20 V Sep. Lebusa 8: Grundstückstausch zwischen Herrschaft Lebusa und dem
Müller Seeger (1827- 33)
C20 V. Sep. Lebusa 9: Akten zur Holzlese des Körbaer Schankwirtes G. Lehmann
(1853- 60).
Die Auswertung steht noch aus.

4.3 Hohenbucko = Hohbucki?

Über das Dorf Hohenbucko wurde vor ca. 270 Jahren eine fantastische Geschichte verbreitet.
Quelle: Magazin der Sächsischen Geschichte aufs Jahr 1786. III. Theil, oder 25- 36tes Stück,
Dresden, 1768
(31.) 1786 July, S. 378- 402
XXXI. Fortsetzung des Wappens der Grafen von Brehna. Versuch einer neuen Erklärung.

S. 379: Alte Urnen wurden von den einfachen Leuten sorgfältig im Hause aufbewahrt, denn man glaubte, sie schützen bei Gewitter vor Blitzeinschlag.
Diese Urnen wurden meist im sumpfigen Gelände ausgegraben, also müssen diese Gegenden früher bevölkert (trocken) gewesen sein.

S. 368- 380
"…ja es müssen schon diese Gegenden im achten Jahrhunderte Bewohner gehabt haben ….und andere, aus den Zeiten des Sächsischen Heydenthumes sich herschreibende Reliquien ausgräbt…woraus man schlussfolgern kann, dass das Dorf Hohenbucko das vormalige
Castellum Hochbucki seyn dürfte…das a) in Hohenbucko ein Schloss gestanden, dessen rudera
(Reste, Ruinen) man erst im vorigen Jahrhundert (1600…1699) eingehen lassen…"

Heute ist diese Darstellung Legende, Hohbucki war das heutige Höbeck/ Priegnitz.
(s. auch: Freundeskreis Zliuuini: Das Gold vom Möhrenacker. Cottbus, 2012, S. 89- 92)

4.4 Landwehrverläufe Berga- Wehrhain- Naundorf

Die Auswertung der drei bisher bekannten Kartierungen des Landwehrverlaufes Berga- Naundorf- Wehrhain" ergibt im Detail drei voneinander abweichend Verläufe (s. Tafel 6). Die älteste Kartierung von F. A. Wagner von 1833 zeigt, dass der angebliche Verlauf im Osten über die (spätere) B 87 hinaus geht bis an den Mühlgraben. Die Landwehr befindet sich bis nördlich von Wehrhain. Der Landwehrbereich umfasst ein "Gedränge" von acht parallelen, kurzen Einzelwällen, die auch so eingezeichnet sind.
Auf dem Messtischblatt von 1847 reicht diese Landwehr dagegen nur bis zur späteren B 87, sie erreicht nicht mehr den Mühlgraben. Es gibt auch keine Einzelwälle mehr, sondern nur ein Gebiet "Landwehr", was hier auf einen Flurnamen schließen lässt.
Auf der Darstellung von A. Kunze von ca. 1955 geht die Landwehr wieder deutlich im Osten über die B87 hinaus bis zum Mühlgraben. Allerdings ist diese Kartierung wohl kaum mit dem ehemaligen Verlauf gleichzusetzen, denn derselbe stellt offensichtlich eine idealisierte Zufallszeichnung dar.
Quellen: Wagner, Friedrich August: Aegypten in Deutschland oder die germanisch- slavischen wo nicht rein germanischen Alterthümer an der schwarzen Elster. Leipzig, 1833.
Preusker, K. B.: Blicke in die vaterländische Vorzeit. Bd. 3, Tafel VI/ Abb. 38. Leipzig, 1844

Im Kartenwerk "Atlas Augusteus Saxonicus" (CB/1) von 1711- 1742 - als Accurate Geograph. Declination bezeichnet- sind zwischen Berga und Proßmarke 7 Hügel eingezeichnet. Die Deutung aber bleibt im Unklaren- ist das nur der Hügelbereich am Nordrand der Fichtwaldniederung oder soll das gar die Landwehr darstellen? Die unterhalb dieser Hügelkette eingezeichnete Strichlinie stellt die durch die hügelige Hebbelheide verlaufende "Kaufherrenstraße" dar, ist nicht identisch mit dem Verlauf der heutigen Landstraße Naundorf- Proßmarke weiter südlich.

4.5 Herzogin/ Kurfürstin Offka (Euphemia von Oels)

Verschiedentlich taucht in der Literatur der Name "Kurfürstin (manchmal auch Herzogin) Offka" auf, die Besitz im Schliebener Land hatte, wie z. B. in Berga oder das (wüste) Dorf Sassendorf bei Proßmarke. Ferner besaß sie Ländereien in Bad Liebenwerda, Marxdorf, Schmerkendorf, Lausitz, Hohenleipisch sowie das Dorf Werchluga (Wehrhain).
Diese Euphigenia (auch Ephigenia, Euphemia, Offka) Offigko (geb. um 1390, gest. 1444) war in erster Ehe mit dem Kurfürsten Herzog Albrecht III. von Sachsen- Wittenberg verheiratet. Sie selbst
entstammte dem Geschlecht der Herzöge von Oels. Nach dem Tode des Kurfürsten bezog sie die Burg Liebenwerda und lebte von Steuern und Naturalleistungen. Auch die "Pflege Schweinitz" gehörte zu ihrem Leibgedinge (Pflicht zum Erhalt von Naturalleistungen, wie Wohnung, Nahrung, Pflege, z.B. für den Witwen- Fall).
Später heiratete sie erneut, diesmal den Fürsten Georg I. von Anhalt- Zerbst.
Für Liebenwerda sind etliche Vorgänge belegt, die Erinnerung an die Offka ist dort bis heute wach.
Quellen:
- de.wikipedia.org/wiki/Euphemia_von_Oels
- Mitteilungen des Vereins für Heimatkunde im Kreis Schweinitz Nr. 17 vom Juni 1901 und
Nr. 66 vom Juli 1905.

Bezüglich der Besitztümer im Schliebener Land gibt es kaum weiter Informationen, hier liegt ein breites Betätigungsfeld für die lokalen Heimatforscher.

4.6 Burgelt Schöna- Kolpien/ erforderliche Korrektur

Die zum Amt Dahme gehörende Gemeinde Schöna- Kolpien informiert auf im Ort stehenden Tafeln zur Ortsgeschichte. Allerdings ist nach heutigem Forschungsstand die Aussage
"Burgelt" (auch Borchelt): slawischer Ringwall"
falsch. Es liegen für eine slawische Anlage keinerlei Beweise vor, frühere diesbezügliche Vermutungen haben sich als haltlos erwiesen. Der Burgelt stellt den Rest einer frühdeutschen Wasserburg dar (Turmhügel, auf dem einst ein Wohnturm stand; umlaufender Wassergraben), er stammt vermutlich aus dem 14. Jahrhundert.

4.7 Auseinandersetzung mit fehlerhaften historischen Auffassungen zur Regionalgeschichte

Es ist korrekt, bisher langjährig geltende Auffassungen auf deren Aktualität und auf Notwendigkeiten einer Präzisierung/ Erneuerung zu prüfen. Derartige Prüfungen sind seriös und fachlich fundiert vorzunehmen, ohne Verächtlichmachung oder Verunglimpfung der früheren Autoren, denen vor vielen Jahren noch nicht die heutigen Erkenntnisse, Mittel und Methoden der heimatkundlichen Forschung zur Verfügung standen.
Leider war ein solch seriöses Vorgehen in der Vergangenheit im Schliebener Land in manchen Ausnahmefällen nicht gegeben. Hier wurden frühere Heimatfreunde verhöhnt und in einem Fall gar als Säufer verdächtigt- ein unglaublich arrogantes und übles Vorgehen! Heimatfreunde dieser Coleur stellen sich selbst ins Abseits.
Es geht - auszugsweise - um folgende Entgegnungen:

a) Der Name "Schlieben" als "Pflaumenort":
Bisher galt die prinzipielle Ableitung des Namens Schlieben von "Pflaumenort" als unbestritten.
Zweifler an dieser Hypothese waren der Meinung, dass im 10. Jahrhundert, der Ersterwähnung dieses Namens, die Pflaume in der Region unbekannt gewesen sei, dass diese erst im 12. Jahrhundert von den Doberluger Zisterziensermönchen als Abführmittel kultiviert worden sei.

Die archäologischen Beweise neuerer Zeit sehen anders aus, wie nachfolgende Quellen belegen.

- Erwerbsobstbau (Fachzeitschrift), Berlin, Bd. 41/ 1999, S. 111- 118:
Die Slawen kannten sehr wohl die Pflaume als Obst (Funde von Pflaumenkernen belegen das), die betreffenden Ortsnamen stammen von "sliva" ab.

- www.wikipedia.org/wiki/Erste-lateinische-welle:
Den Obstbau erlernten bereits die Germanen von den Römern, ohne jedoch darin Meister zu werden. Bereits in der Jungsteinzeit wurde am Bodensee Pflaumenanbau nachgewiesen.
Die Germanen kultivierten Obstanlagen, deren Zerstörung unter Strafe stand ("Baumfrevel").
In der Wikingersiedlung Haitabu (9./ 10. Jhdt.) wurden Pflaumenbäume nachgewiesen.
Nach der Völkerwanderung (ab 812 n. d. Z.) ließ Kaiser Karl der Große den Obstanbau vorantreiben.
Die Wirren der Völkerwanderung (375- 600 n. d. Z.) ließen in Mitteleuropa aber den Obstanbau stagnieren.

- Fischer- Fabian, S.: Die ersten Deutschen. Über das rätselhafte Volk der Germanen.
Lübke Verlag Bergisch- Gladbach, 2003:
S. 248: ..Überall im Norden, wo die Römer…Märkte gründeten…Versuche mit Obstsorten..Kirschen, Pflaumen,.."

- Leciejewicz, L.: Jäger, Sammler, Bauern, Handwerker. Frühe Geschichte der Lausitz. Bautzen, 1982:
S. 87: "Slawen…Obstbau entwickelt. Die in den umliegenden Wäldern gesammelten Pflaumen…"

- Wahl, J.: 15 000 Jahre Mord und Totschlag. Stuttgart, 2012:
S. 130: "Aus dem 6. Jahrhundert n. d. Z., der Merowinger- Zeit, ist der Anbau von Pflaumen… in Südwestdeutschland und im Donaugebiet belegt".

- www.slawen.net/landwirtschaft. Die Slawen in Europa. Ein historischer Querschnitt:
"Archäologische Funde aus verschiedenen Siedlungen der Slawen um 800…900 n. d. Z. belegen den Pflaumenanbau…"

Hermann, J.: Zwischen Hradschin und Vineta. Frühe Kulturen der Westslawen.
Leipzig- Jena- Berlin, 1981:
"S. 23- 25: Im 6./ 7. Jahrhundert drangen slawische Stämme aus dem Osten kommend bis nach Nordostbayern und bis zur Donau (Wienerwald) sowie den Ostalpen vor.
Durch Stammesverschiebung gelangten im 7. Jahrhundert die Lusici aus diesen südlichen Gebieten nach Norden.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Obstbau durch die Römer über die Germanen auch von slawischen Stämmen aufgegriffen wurde.

Zusammenfassung:
- Die Slawen kannten die Pflaume spätestens im 10. Jahrhundert und nutzten diese Frucht.
- Ein flächendeckender Anbau von Pflaumen erfolgte jedoch nicht. Deshalb muss das vermehrte Auftreten von Pflaumenbäumen an einem Ort auch ein außergewöhnliches Vorkommnis gewesen sein, so dass ein Ort danach benannt wurde.
Anm.: Im Slawischen wurden Orte meist nach einem Eigennamen, z.B. des Gründers, des Herrschers o.ä. benannt.
Beispiele:
Jagsal Ort des Javizel
Kolochau " " Koloch
Lebusa " " Lubus
Polzen " " Bolka
Striesa " " Strez
Rössen " " Rosa.

Ausgerechnet im heutigen Schliebener Land wurden überdurchschnittlich viele Orte aber nach landschaftlichen Besonderheiten benannt:
Beispiele
Dubro Eichenwald
Jeßnigk Eschenwald
Kolpien Schwanenteich
Oelsig Erlenbusch
Krassig Kühe
Werchau auf der Anhöhe
Werchluga oben liegend
- und logisch auch Schlieben als Pflaumenort.
(Quelle: Wenzel, W.: Die Ortsnamen des Schliebener Landes.
In.: Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Historische Kommission.
Deutsch- slawische Forschungen zur Namenskunde und Siedlungsgeschichte.
Hrsg.: Frings, Th.; Fischer, R. Nr. 16, Akademie Verlag Berlin, 1964).

- Die These, wonach die Zisterziensermönche die Pflaume im 12. Jahrhundert nach Doberlug als Abführmittel brachten, kann eventuell für den Einzelfall Doberlug zutreffen, stellt aber keinen historischen Ausschließlichkeitsbeweis für weit kompliziertere Zusammenhänge im Rahmen einer seriösen Geschichtsforschung dar.

- Nachdenkenswert wäre vielleicht eine Ableitung des Namens Zliuuini von einem Personennamen. Demnach müsste der Namensgeber seinen Personennamen dem Gau Zliuuini und damit auch der Stadt gegeben haben. Aber welcher Slawenfürst ließ sich schon "Pflaume" rufen?...

- Schlieben als "Pflaumenort" zu deuten ist nach wie vor Stand der Forschung.

b) Bau einer frühen Kapelle auf dem Martinsberg:
Eine solche frühchristliche Kapelle vermutete vor ca. 80 Jahren Heimatforscher der Region ohne jedoch dafür Beweise zu besitzen.
Kritiker nahmen das zum Anlass, in besserwisserischer Art diese Heimatforscher zu verunglimpfen, sie fragten nach den fehlenden "Maurerbrigaden" und dem "ingenieurtechnischen Wissen" zum Bau solcher Kapellen.
Den neuesten archäologischen und historischen Forschungsergebnissen zu Folge ist aber ein solch früher Bau prinzipiell möglich gewesen, die o.g. Kritik ist damit ins Leere gelaufen:
Denn die frühere Annahme, dass das Errichten von Dorfkirchen immer mit Steinbauten verbunden sein müsse, ist ad acta zu legen. Im Gegenteil- diese ersten frühchristlichen Kirchen/ Kapellen waren schnell zu errichtende, einfache Holzbauten, die erst nach 20 bis 150 Jahren steinernen Nachbauten weichen mussten.
(Quelle: Transformation und Umbrüche des 12./ 13. Jahrhunderts.
In: Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas; 64. Langenweissbach, 2012, S. 51).

Im Kartenwerk von 1711/ 1740 ist auf dem Martinsberg eine Kapelle dargestellt. Vermutlich musste diese dann später dem heutigen Denkmal weichen.
Fazit: Es gibt zwar auf dem Martinsberg (bisher) keine archäologischen Beweise, die theoretische Möglichkeit war aber gegeben, zumal auch die historische Situation der damaligen Zeit dafür sprechen dürfte. Die exponierte Berglage unterstützt die Möglichkeit, ebenso die Kapelle von vor ca. zweihundert Jahren.

c) Burgwall Malitschkendorf:
Neuerdings trat eine Bezeichnung dieses Burgwalles als "germanisch- frühdeutsche Fluchtburg", die "mit Schlehenhecken geschützt" gewesen sei, auf.
Eine solche Bezeichnung ist schlichtweg Unfug.
Eine so genannte "germanisch- frühdeutsche Zeit" hat es nie gegeben.
Die "Germanische Zeit" als "Römische Kaiserzeit" endete 375 n. d. Z., daran schloss sich die Völkerwanderungszeit (375- 600 n. d. Z.) an und dann folgte die Slawische Zeit von 800 bis 1200.
Von einer "frühdeutschen Zeit" kann nur in wenigen Dezennien ab 1200 gesprochen werden, eine Kombination mit "germanisch" ist falsch.

Der Malitschkendorfer Burgwall ist in der späten Bronze-/ frühen Eisenzeit (ca. 700- 500 vor d. Z.) errichtet und intensiv genutzt worden, wie die bisherigen archäologischen Funde beweisen.
In der slawischen Zeit (600- 1200) wurde der Standort vermutlich zu kultischen Zwecken hin und wieder aufgesucht, eine Befestigung war also unnötig, die alten Schutzanlagen verfielen, sie wurden - archäologisch nachgewiesen- auch nicht mehr erneuert. Von manchem Heimat"forscher" wurde eine "Schlehenbewehrung" des Burgwalles als bewiesen angenommen. Dazu kommt noch die Behauptung, dass der Name Schlieben gar nach dieser "Schlehenburg"- als Zentralburg der Slawen benannt wurde- alles blühende Fantasieobjekte, die einer wissenschaftlichen Deutung nicht standhalten.

Die slawische Zentralburg stand- archäologisch nachgewiesen- unter dem heutigen Schlossberg von Schlieben.

5. Heimatkundliche Beiträge zur Geschichte von Proßmarke
5.1 Geschichtliche Fakten zu Proßmarke (Auswahl von Quellen)

a) Heimatbote, Beilage zum Schweinitzer Kreisblatt:
Kirche von Proßmarke ist frühgotisch, Turm ist etwas jünger (also nachträglich an das Kirchenschiff angebaut)/Nr. 1/ 1924, vom 16.5.1924, S. 4/. Die ältesten beiden Glocken der Kirche stammen von 1495 ("halbritter") und 1610, die Kirchenschiffe von Hohenbucko und Proßmarke wurden etwa um 1400 erbaut, /Nr. 3/ 1924, vom 13.6.1924, S. 4/, 1672 gab es in Proßmarke ein hochadliges Vorwerk, dazu sollen 3 Güter gehören /Nr. 5/ 1925/ /Primärquelle angebl. Merseburg, Reg.- Archiv IV50II v 48 Bl. 203 fg; ungeprüft/"Gut Proßmarke" (ohne Jahresangabe, verm. aber 17. Jhdt /Nr. 21/ 1928, vom 2.11.1928, S. 1/.

b) Thüringer Hauptstaatsarchiv, Ernestinisches Gesamtarchiv, Kopialbuch B 1, Bl. 83v, Nr. 227 und Bl. 111r, Nr. 227:
Bezeichnungen für "Sassendorf":1327 Sachsendorph; 1379: Sachsendorpf und Sachsendorff;
1439 als "wüst" bezeichnet.

c) Mitteilungen des Vereins für Heimatkunde im Kreis Schweinitz, Nr. 28 vom Mai 1902:
Titel: "Geschichte des Kirchen- und Schulwesens. Parochie Hohenbucko. S. 2- 3.
1474: Proßmargke, 20 Hüfner mit 20 Erbhufen, 3 Kossäten
1516: "Der Pfarrmann Valten Irnichen zu Probstmarke, der 20 Gr. Zins geben hat, dieser hat nur
Sonntags die Messe zu lesen und dort Pfarrecht zu tun".
1550: Brossemark, 17 Hüfner, 3 Gärtner
1555: Brosmarke
1577: 100 communicanten
1577: Wurde für Hohenbucko und Proßmarke noch kein Kirchenbuch geführt.

d) Mitteilungen des Vereins für Heimatkunde im Kreis Schweinitz, Nr. 17 vom Juni 1901:
Titel: "Wanderungen durch die Ortschaften des Kreises". S. 2- 3
1474: Besitzer von Proßmarke ist Andreas Kune aus Herzberg. Die Nachkommen desselben übten noch 1516 dort die Gerichtsbarkeit aus.
1516: 20 Hüfner, 3 Kossäten
1529: 17 Hüfner, 3 Gärtner
1516 waren Sassendorf und Wenddorf schon nicht mehr vorhanden ("wüst").

e) Weitere historische Informationen zu Proßmarke:
1439/ 40 : Probistmarke (in: Heimatbote, Nr. 23/1926 vom 12.11.1926)
1445/ 46 : Probistmark (in: " " " " " )
1464 : Plußmarke (in: Heimatbote, Nr. 20/ 1926 vom 1.10.1926)
1467 : Porstmarke (in: Heimatbote, Nr. 19/ 1926, vom 17.9.1926)
1756 : Prosmork (in: Geogr. Reise-, Post- u. Zeitungslexikon, Jane, 1756, S. 237)
1805 : Proßmark (in: Roeder: Geogr. -Statist.- Topogr. Lexikon, Ulm, 1825)
1841/ 1888 : Prosmarke
Im Jahre 1645 war Proßmarke in Folge des 30jährigen Krieges vollständig "wüst", 1654 wurden noch acht "wüste Güter" genannt.
(Quelle: Unser Elsterland, Nr. 37/ 1926, vom 28.3.1926).

Im 12./ 13. Jahrhundert (zwischen 1150- 1300) erfolgte die Zuwanderung westlicher Siedler, was gleichbedeutend mit dem Ende der slawischen Zeit in der Region war, die Periode heißt "frühdeutsch", wobei es in Proßmarke keinerlei Zeichen für die Anwesenheit von Slawen gibt.
Die graublaue Keramik bei Töpfereiwaren setzte sich durch, weil auch die Herstellung im Vergleich zur slawischen Keramik produktiver erfolgte.
Das Land wurde vermessen und parzelliert, was wichtig war für die Bemessung von Abgaben an die neu entstandenen Grundherrschaften.
Im 13. Jahrhundert begann der Ziegel- und Steinbau für Kirchen, Burgen, Klöster, danach auch an Profanbauten. Deutsches Recht wurde einheitlich gesprochen als Basis des Zusammenlebens.
(Quelle: BIERMANN, F.: Transformationen und Umwälzungen des 12./ 13. Jahrhunderts- Einführung. In: Beiträge zu ur- und frühgeschichtlichen Mitteilungen, 64, Langenweißbach, 2012, S. 3- 7.

Im Jahre 1925 versuchte E. Unger eine Deutung des Namens Proßmarke nach
"Marke"= Grenze
"Prossel= Ferkel (slaw.also als "Eingezäunte Ferkelweide"), was sich jedoch als falsch erwies.
(Quelle: Unser Elsterland, Nr. 28/ 1925 vom 15.11.1925).

5.2 Burgwall von Proßmarke
5.2.1 Historische Hinweise/ Quellen

Trotz intensivster Suche, trotz umfangreichen Quellenstudiums und intensiver Geländebegehungen- der Standort dieses angeblichen Walles ist bis heute nicht gefunden.
Deshalb noch einmal eine kritische Betrachtung des bisherigen sehr dürftigen Materials:
Die erste Information überhaupt über einen Wall bei Proßmarke stammt von
Schuster, O. "Die alten Heidenschanzen Deutschlands mit specieller Beschreibung des
Oberlausitzer Schanzensystems", Dresden, 1869.

Oskar Schuster
Schuster geht hier als Militärlehrer von der ausschließlichen militärischen Funktion und Bedeutung solcher Wehrsysteme aus. Deshalb wählt er für alle diese Bauwerke als Oberbegriff auch den militärischen Ausdruck "Schanze". Bei der konkreten Bezeichnung der Einzelobjekte jedoch bleibt er bei den volkstümlichen Bezeichnungen (z.B. Borchelt, Schlossberg,…) oder er lehnt sich an die Form des Bauwerkes (Rundwall) oder dessen Baustoff (Erdwall, Schlackenwall, Steinwall,..) an. Eine geschichtlich basierende Ordnung ist nicht erkennbar. An den Stellen, wo solche konkreten Merkmale für ein Objekt nicht vorliegen, wählt Schuster auch hier den Allgemeinbegriff "Schanze". So lautet die Eintragung für Proßmarke:
"Alte Schanze von Prosmark. Meist abgetragen".
Es ist kaum anzunehmen, dass Schuster diese "alte Schanze" selbst gesehen hat, vermutlich hatte er Zuarbeiter. Aber auch für diese ist die Erwähnung aus der Erinnerung möglich, denn der Begriff "Schanze" sagt zu den individuellen Merkmalen überhaupt nichts aus. So bleibt die Frage unbeantwortet, ob zur Zeit der Abfassung des Buches (Herausgabe 1869) diese "alte Schanze" noch in Resten existierte oder ob die Erinnerung diese Reste aus weit früheren Jahren hervor geholt hatte. Sollten aber die Reste noch existiert haben, so hätte bei vorliegen eines Rundwalles der Autor (oder schon der Zuarbeiter) sicher schon von einem solchen gesprochen und das Objekt als Rundwall bezeichnet. Da das nicht der Fall ist, kann geschlussfolgert werden, dass die "alte Schanze" von Proßmarke vermutlich kein (slawischer) "Rundwall" gewesen ist.

Robert Behla
Ähnliche Angaben machte 1888 Robert Behla in seinem Buch
"Die vorgeschichtlichen Rundwälle im östlichen Deutschland " Berlin 1888.

Behla verwendet zwar den Oberbegriff "Rundwall", hält aber, wie Schuster, auch an Flurnamen fest. Zu Proßmarke lautet seine Feststellung:
"Der Wall bei Proßmarke, fast abgetragen".
Der Begriff Rundwall wird nicht verwendet, vermutlich, weil jegliche Beweise dafür fehlen. Es ist zu vermuten, dass Behla keine anderen Fakten, als die von Schuster 1869, zur Verfügung hatte. Er hat seinen Vorgänger deshalb nur zitiert.

Reinhold Krieg erwähnte in zwei seiner Veröffentlichungen (Mitteilungen des Vereins für Heimatkunde im Kreise Schweinitz) den Wall bei Proßmarke:
Nr. 17/ 1901 vom Juni 1901, S. 4: "Wall bei Proßmarke"
Nr. 27/ 1902 vom April 1902, S. 4:, S. 3- 4:
"…Sassendorf und Wenddorf liegen nicht an der Straße, sondern weiter südöstlich bei Naundorf und Proßmarke…dass dort ein Burgwall gestanden habe…doch nichts mehr davon ist übrig geblieben…wendische Zeit oder früher…"
Demnach müsste es sich um einen Wall im hügeligen Gelände der heutigen Hebbelheide handeln. Die Bemerkung "..auch früher…" deutet auf die späte Bronze-/ frühe Eisenzeit hin. Allerdings liegen alle bekannten Burgwälle aus dieser und auch aus slawischer Zeit nicht im hügeligen Gelände, sondern in Sumpfgebieten. Damit wird das Rätsel nur noch rätselhafter!
Diese dürftigen Erwähnungen deuten nicht darauf hin, dass der Autor den
Wall/ Burgwall selbst gesehen hat. Er unterlässt auch jegliche Quellenangabe (war zu dieser Zeit offenbar auch großzügig möglich). Allerdings wird die Aussage für die Heimatforschung dadurch völlig wertlos.

Helmut Knuppe hat sich diesbezüglich 1965 folgende Meinung gebildet:
"Kleinere slawische Ringwälle bestanden bei Kolochau, Proßmarke, Stechau und Schöna (Burgelt). Wahrscheinlich waren sie Zufluchtsstätten der ihnen benachbarten Dörfer".
(Quelle: Historischer Überblick. Aus der Geschichte des Kreises Herzberg.
In: Der Kreis Herzberg. Historische Materialsammlung; Herzberg/ Elster, 1965, S. 27).

Diese Aussagen sind- bis auf Kolochau- falsch, es gibt dazu weder historische noch archäologische Beweise. Der Autor verzichtet leider auf die Angabe von Quellen oder Beweisen.
Im selben Beitrag deutet H. Knuppe in einer Beilage (Kreis Herzberg. Ortsnamen und Wallanlagen, Karte 1: 200 000 vom 20.11.1964) die Wälle von Malitschkendorf und die "Wahlberge" von Falkenberg als slawisch, auch hier irrt der Autor. Darüber hinaus benutzt er die Bezeichnungen "Slawischer Ringwall" und "slawischer Burgwall", ohne dass dazu Unterschiede angegeben werden (die es für die Region auch nicht gibt).

Im anonymen Heftchen "Wanderwege im Gebiet Schlieben" (Hrsg.: Rat des Landkreises Herzberg, Abt. Jugendfragen sowie Heimatmuseum und Kreisbildstelle) von 1952 kommen die Autoren auf S. 5- 6 zu folgender Erkenntnis:
"…Proßmarke wieder an der Höhe entlang zum Gänseberg, der von einem Zickzack- Graben noch teilweise umgeben ist. Vom Gänseberg ab zwischen Straße und Moor Langwall mit Kiefern bestanden (Verteidigungsanlage?). Am Ende des Walls eine in das Moor vorspringende Anhöhe, mit Strauchwerk bestanden, Fundort mittelalterlicher Scherben, vermutlich das verwüstete Dorf Sassendorf".
Dieser "Langwall ist auch heute noch sehr gut erhalten, seine Bedeutung ist völlig unklar, Quellen dazu wurden bisher nicht gefunden.

Zusammenfassend zeigt sich, dass der Wall von Proßmarke vermutlich von keinem der ihn beschreibenden Autoren je selbst gesehen wurde, alle nehmen die einmal bekannte Information auf und verwenden diese unkommentiert.
Aus diesen dürftigen Informationen ergeben sich folgende Erkenntnisse:
- Es gab bei Proßmarke vor ca. 150 Jahren einen schon weitgehend eingeebneten Wall, wobei die Form als "Rundwall" möglich gewesen sein könnte.
- Standort, Erbauungszeit u.a. Informationen dazu fehlen.
- Eine grobe Standort- Eingrenzung lautet eventuell: Zwischen Wenddorf und Sassendorf, wobei allerdings eine Lage im hügligen Gelände der Hebbelheide sehr unwahrscheinlich ist.
- Es handelt sich vermutlich um einen urgeschichtlichen Burgwall und nicht um eine frühdeutsche Anlage. Allerdings ist dieses Indiz als sehr schwach anzusehen.

Eine Suche zum Standort kann nur durch Geländebegehungen erfolgen, denn es erscheint ausgeschlossen, dass noch Urkunden, Schriftstücke u. ä. auftauchen. Diesbezügliche Nachforschungen zu O. Schuster im Militärhistorischen Museum Dresden blieben erfolglos. Auch aus dem Nachlass von Dr. Wagner sind keine Hinweise bekannt.
Alle anderen Autoren haben die Informationen nur von diesen Vorgängern übernommen.
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5.2.2 Eingrenzung der Möglichkeiten einer Wallanlage bei Proßmarke

In einem ersten Schritt erfolgt eine Eingrenzung von potenziellen Möglichkeiten für eine Wallanlage. Dazu wurden folgende Quellen herangezogen:

- Schuster, O.: Die alten Heidenschanzen Deutschlands mit specieller Beschreibung des oberlausitzer Schanzensystems. Dresden, 1869
- Behla, R.: Die vorgeschichtlichen Rundwälle im östlichen Deutschland. Berlin, 1888
- Marschallek, K.- H.: Urgeschichte des Kreises Luckau. Kirchhain, 1944
- Hermann, J.; Donat, P.: Corpus archäologischer Quellen zur Frühgeschichte auf dem Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik. (7.- 12. Jhdt.); Berlin, 1985
- Spazier, I.: Die mittelalterlichen Burgen an mittlerer Elbe und Bober.
In: Forschungen zur Archäologie im Land Brandenburg, Bd. 6, Wünsdorf, 1999
- Faustmann, A.: Die ur- und frühgeschichtliche Besiedlung des Schliebener Beckens.
In: Alteuropäische Forschungen. Neue Forschungen zur Siedlungsarchäologie Ostdeutschlands.
Weissbach, 2000
- Biermann, F.: Slawische Besiedlung zwischen Elbe, Neiße und Lubsza.
Ergebnisse und Materialien zum DFG- Projekt "Germanen- Slawen- Deutsche".
In: Archäologische Studien zum Siedlungswesen und zur Sachkultur des frühen und hohen Mittelalters.
Bonn, 2000.

Danach kommen für die Region nur folgende drei archäologische Perioden für einen Bau von Wallanlagen in Betracht:
- Späte Bronze-/ frühe Eisenzeit ("Billendorfer Kultur") ca. 700- 500 v. d. Z.
- Slawische Zeit 600- 1200
- Deutsches Mittelalter 1200- 1400.
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5.2.3 Mögliche Wallanlagen bei Proßmarke- Grundsatzüberlegungen

a) Wallanlage der späten Bronze-/ frühen Eisenzeit (Billendorfer Kultur):
In der Region zwischen Lausitzer Grenzwall und Schwarzer Elster sind bisher folgende Wallanlagen- Standorte aus dieser Zeit bestätigt:

- Gerbisbach bei Jessen 150 m Innendurchmesser rund
- Falkenberg/ Elster (Wahlberge) 180 x 120 m zweiteilig
- Malitschkendorf 200 x 120 m oval
- Kosilenzien (b. Bad Lienwerda) 180 x 130 m oval
- Schönewalde (b. Sonnewalde) 200 x 125 m oval
- Zützen (b. Luckau) 130 x 120 m rund
- Senftenberg (Schloss) 130 x 130 m rund

(Weiter südlich, im Freistaat Sachsen, setzt sich diese Reihe fort, z. B. Ostro, Bautzen, Dresden- Heidenschanze, Göda, Prietitz, Niederwartha- Böhmerwall).

Das große Gräberfeld im "Schweinert" wird ebenfalls der Billendorfer Kultur zugeschrieben.
Solche Fakten deuten auf eine dichte und zahlenmäßig starke Besiedlung hin.

Quelle: Buck, D.- W.: Die Billendorfer Gruppe.
In: Veröffentlichungen des Museums für Ur- und Frühgeschichte Potsdam, Teile 1 und 2.
Bd. 11/ 1977, S. 1- 182.

Nach Buck weisen demnach die Burgwälle der späten Bronze-/ frühen Eisenzeit für die hier betrachtete Region folgende einheitliche Merkmale auf:
- Wallform meist oval, wenige rund
- Lage immer in Niederungen (Sumpfgebiete), nur in der Oberlausitz Abschnittswälle auf Bergspornen
- Größendurchschnitt 1,2 ha (0,7- 2,7 ha)
- Wallumfang durchschnittlich 400 m
- Alle diese Burgwälle waren ständig bewohnt; es zeigen sich deshalb bei Grabungen viele fundreiche Kulturschichten mit Brandschutt, Holzkohle, Keramiken, Knochen, Gerät,…
- Erde- Holz- Wälle, in Sumpfgebieten meist ohne umlaufenden Graben, Holzstämme oft regellos im Wallinnern angebracht; noch keine Kastenkonstruktionen.

Ein erstes Indiz für einen solchen Burgwall bei Proßmarke könnte die Entfernung zwischen den o.g, Standorten sein. Die Überlegung geht davon aus, dass diese Standorte annähernd zu gleichen Entfernungen voneinander errichtet wurden. Größere Entfernungen hätten die Schutzfunktion und die Aufnahmekapazität des Burgwalles beeinträchtigt, kürzere Entfernungen waren nur in Ausnahmefällen erforderlich (besonders hohen Personenkonzentration).
Von noch vorhandenen Burgwallresten aus dieser Periode bestehen folgende Entfernungen u.a. zu einem fiktiven Standort "bei Proßmark":

Malitschkendorf- Gerbisbach ca. 22 Kilometer
Malitschkendorf- Kosilenzien ca. 27 Kilometer
Malitschkendorf- Falkenberg ca. 13 Kilometer
Gerbisbach- Falkenberg ca. 22 Kilometer
Falkenberg- Kosilenzien ca. 22 Kilometer.

Dagegen betragen die Entfernungen über den fiktiven Standort "bei Proßmarke" hinaus:
Malitschkendorf- Zützen ca. 38 Kilometer
Malitschkendorf- Schönewalde ca. 22 Kilometer.

Nach diesem Entfernungsvergleich würde ein Burgwallstandort "bei Proßmarke" für die späte Bronze-/ frühe Eisenzeit nicht aus dem Rahmen fallen.

Der fiktive Standort bei Proßmarke müsste folgende Merkmale aufweisen:
- Standort in einer feuchten/ sumpfigen Niederung. Hier kommt wohl nur der Fichtwald in Frage.
- Entfernungen: Die Entfernungsanalyse lässt den Standort am Ostrand des Fichtwaldes vermuten.
- Wallreste im Gelände: Hier befindet sich längs der Landstraße zwischen Naundorf und Proßmarke, an der Südseite dieser Straße, direkt am Rand der Fichtwaldniederung, ein bogenförmiger Wallzug.
- Das Areal müsste sehr fundreich sein. Bisher liegen aber keine Funde von diesem Bereich vor. Ursache könnte sein, dass die Wallanlage vor Jahrhunderten weitgehend eingeebnet wurde und das Bodenmaterial die Kulturschichten zugedeckt hat.
- Der Burgwall dürfte im Umfang nicht mehr als max. 400- 500 Meter aufweisen.


Mehrere Vor- Ort-Besichtigungen zu verschiedenen Jahreszeiten ergaben folgendes Bild:
Der heute noch bestehende Wallzug ist in der Anlage dargestellt.
Es ist ein bogenförmig gekrümmter Wallzug längs der Landstraße über eine Länge von ca. 240 Metern vorhanden. Die Wallhöhen variieren bis zu einer Höhe von 4- 5 Metern, die Breite am Wallfuß beträgt an der breitesten Stelle 8- 10 Meter. Die Breite der Wallkrone schwankt zwischen 1 und 3 Metern, sie ist heute mit Mischwald und tlw. Gestrüpp bewachsen. Ein neuzeitlicher Durchbruch durch den Wall (bis 6 Meter breit) zeigt im Wallschnitt aber ausschließlich gelblich- braunen Sand, ohne Einlagerung größerer Steine oder gar Holzreste.

Wird der Wallzug durch die Gegenkrümmung vervollständigt (bei Annahme einer ovalen Form), dann hätte der gegenüber liegende Wallzug direkt im Fichtwaldgelände gelegen, s. Anlage.
Die theoretische Weiterentwicklung der Wallzüge ergibt jedoch einen Wallumfang von 650- 750 Metern, deutlich über dem Durchschnitt liegend. Der Proßmarke Burgwall müsste demnach eine besonders große Anlage gewesen sein. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist derzeit aber nicht plausibel.
Jedoch befinden sich rings um den fiktiven Standort etliche Gräberfelder aus der betreffenden archäologischen Periode (z.B. in der Hebbelheide oder östlich vom fiktiven Standort). Es siedelte vermutlich um Proßmarke eine "größere" Gruppe von Menschen der späten Bronze-/ frühen Eisenzeit. Ein ziemlich ausgedehnter "Werkplatz" zur Verhüttung von Raseneisenstein liegt unmittelbar am westlichen Ortsausgang von Proßmarke, in der Ausdehnung ca. 200 x 500 m.
Der Bergsporn "Sassendorf" unmittelbar östlich des Walles könnte die "Vorburgsiedlung" gewesen sein, denn entsprechende Funde liegen in hoher Zahl vor.
Alle diese Indizien wiederum stützen die prinzipielle Möglichkeit eines solchen Walles.

Fazit: Dieser Standort "bei Proßmarke" ist sachlich noch nicht ausreichend belastbar.
Für eine endgültige Entscheidung müsste die Fundsituation geprüft werden, vor allem in einer Tiefe
von 1 bis 1,5 Metern.
Offen ist auch noch ein eventueller Zusammenhang zum nahen Fundplatz 1 "Sassendorf", (Geländesporn, in die Niederung ragend, am östlichen Ende des Wallzuges), der Funde schon aus der Bronzezeit sowie der Römischen Kaiserzeit lieferte.

Die genannte Landstraße ist mit K 6238 bezeichnet. Unmittelbar südlich davon zeigt sich ein deutliches Oval, das oben (nördlich) vom heutigen Wall begrenzet wird (hier nicht sichtbar, da von Wald bedeckt). Die untere (südliche) Begrenzung zeigt den aktuellen Bewuchs des Areals und damit Hinweise auf die Bodenqualität. Die sandigen Teile (schlecht bewachsen) könnten durch die verschliffenen, sandigen Wallzüge verursacht worden sein.
Demzufolge stellt der gesamte heute noch sichtbare Wallzug nicht ausschließlich die komplette nördliche Begrenzung der Anlage dar, sondern derselbe wurde beim Verebnen der Wallanlage längs der Straße verlängert und weiter aufgeschüttet, so dass er die heutige, große Länge erhielt. Die frühere Innenfläche umfasste dagegen weniger Fläche und damit auch einen geringeren Umfang. So stellt möglicherweise der Feldweg im westlichen Bildbereich den westlichen Abschluss der alten Wallanlage dar. Die Landstraße K 6238 wurde erst vor ca. 120 Jahren ausgebaut, so dass die Trasse längs des aufgeschütteten Wallverlaufes geführt wurde.
Der im Bild dargestellte Steigemühlengraben könnte identisch sein mit dem ehemaligen südlichen Abschluss der Wallanlage.
Bewertung: Diese Luftbildinterpretation unterstützt die Forderung nach Fundesuche im Innenareal der vermuteten Wallanlage, sie ist aber noch kein stichhaltiger Beweis.


b) Burgwall der slawischen Zeit:
Es liegen bereits erste Betrachtungen zu einem solchen Wall vor:
Wille, G.: Proßmarke in slawischer Zeit.
In: Heimatkundliche beiträge zur Geschichte von Proßmarke.
Unveröff. Maschinenmskr., 2008

Wille, G.: Alt- und Neufunde, Burgwall, Siedlungsspuren Hebbelheide.
In: Heimatkundliche Beiträge zur Geschichte von Proßmarke.
Unveröff. Maschinenmskr., 2008

Merkmale slawischer Wallanlagen in der näheren Region sind
- kleinere Durchmesser (30- 50 Meter)
- rund
- liegen grundsätzlich im Sumpfgebiet
- Merkmale bis heute haben sich kaum erhalten, meist verebnet.
Beispiele:
Schlieben (Schlossberg")
Kolochau ("Burgelt")
Polzen
Brandis.
Von diesen Wällen ist heute im Gelände oberflächig kaum noch etwas zu sehen- im Gegensatz zu den deutlich größeren Wallanlagen der späte Bronze-/ frühen Eisenzeit.

Östlich einer gedachten Linie Frankenhain- Naundorf ist bisher keine slawische Besiedlung nachweisbar (betrifft also die Gemarkungen von Proßmarke, Hillmersdorf, Hohenbucko,…).
Auch Naundorf weist keine slawischen Funde aus. Die Rundlingsform des Südteiles des Dorfes stammt aus der Besiedlung durch vermutlich ehemals slawische Bauern, die als Kolonisatoren, unter christlichem Glauben, diesen Ort vermutlich zwischen 1300 und 1350 gründeten.
Als potenzielle Standorte kämen ohnehin nur die östlichen, bzw. südlichen, ehemals sumpfige Teilbereiche des Fichtwaldes in Betracht. Dieser Standort könnte dann- wenn er noch "bei Proßmarke" liegen sollte- dann auch nur in der Nähe die o.g. Walles aus der späten Bronze-/ frühen Eisenzeit gelegen haben.
Die Slawen siedelten an den anmoorigen Flächen auch des Fichtwaldes und nicht auf den höher gelegenen Sandböden der östlichen Dörfer, wie Proßmarke.

Fazit: Es gibt weder Anhaltspunkte, noch Indizien und schon gar nicht Beweise für einen slawischen Burgwall (Ringwall) bei Proßmarke. Nicht mal der Verdacht für ein eventuelles Standortgelände ist angebbar.

c) Wallanlagen aus frühdeutscher Zeit:
Die in der Region noch anzutreffenden Beispiele aus dieser Zeit weisen meist einem Turmhügel als Standort eines Wohnturmes und manchmal eine umlaufenden Wassergraben aus.
Beispiele:
- Schöna- Kolpien (Burgelt), Turmhügelrest mit umlaufenden Wassergraben vorhanden, Niederungslage
- Lebusa, Turmhügelrest vorhanden, Reste des Wassergrabens als Teiche ebenfalls, Niederungslage
- Schlieben (Schlossberg), auf den Resten eines slawischen Burgwalles errichtet, verfüllte Wassergräben nachgewiesen, Niederungslage.

Eine solche befestigte Burg eines niederen Adligen setzt aber die Existenz eines solchen Adligen als Herr des Dorfes voraus.
Für Proßmarke sind nachgewiesen:
. Andreas Kune aus Herzberg/ E., aber kein Hinweis auf einen Herrensitz in Proßmarke, lediglich der Verweis auf ein "adliges Vorwerk" (s. Abschn. 5.1.).
. Familie Raschkau, Herrensitz in Hillmersdorf.
Es gibt demnach im Ort Proßmarke keinen "Verdachtsplatz" für einen solchen befestigten Herrensitz. Das würde auch den ursprünglichen Quellen von Schuster/ Behla (s.o.) widersprechen, die von "bei Proßmarke" sprechen.
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5.2.4 Zwischenstand Forschungen

Die Ergebnisse des Quellenstudiums lassen bisher den Schluss zu, dass dieser Burgwall- Standort von Proßmarke im Dreieck Sassendorf/ Wenddorf/ Proßmarke
gesucht werden muss. Danach handelt es sich aber keineswegs um eine Sumpfburg im Fichtwald, sondern um eine Höhenburg auf einer Bergspitze am nordwestlichen Rand von Proßmarke (vergl. auch Burgwall Gehren).
Auf dieser Grundlage erfolgten im Areal Proßmarke/ Kaufherrenstraße/ Rollweg/ Gänseberg/ Naundorfer Landstraße Geländebegehungen mit Begutachtung der Höhenzüge und Hügel.
Dabei musste erneut der Gänseberg ausgeschlossen werden, denn er liegt zu weit entfernt von dem o.g. Dreieck. Außerdem weist er keinerlei "verdächtige" Merkmale auf. Die zickzackförmigen Gruben am Bergfuß resultieren vermutlich aus früheren Sandentnahmen.
Entlang von Kaufherrenstraße- Rollweg befinden sich zwar Hügel und Höhen von über 130 Metern Höhe, jedoch weist keiner eine Eignung für einen Burgwallstandort auf. Es handelt sich um flache Hügelzungen, bei denen weder ein Rund- noch ein Abschnittswall Sinn machen würden. Merkmale, Reste oder Spuren wurden ohnehin nicht festgestellt.
Fazit: Ein Burgwallstandort im Hügelgelände der Hebbelheide ist auszuschließen, da alle in Frage kommenden Erbauer diese Anlagen in sumpfigen Niederungen errichteten.

Allerdings gibt es einen Berg, der die Anforderungen an einen Standort für einen adligen Herrensitz vielleicht erfüllen dürfte, es ist der Mühlberg von Proßmarke.

Näher betrachtet wurde der Proßmarker Mühlberg als eventuell ehemaliger niederadliger Herrensitz.:

Wille, G.: Der Mühlberg von Proßmarke als Standort eines Burgwalles?
Unveröff. Maschinenmskr, 20.10.2009
Wille, G.: Proßmarke und Nachbarorte- Arbeitsergebnisse 2010- 2011.
In: Heimatkundliche Beiträge zur Geschichte von Proßmarke.
Unveröff. Maschinenmskr., Dresden/ Proßmarke vom 31.12. 1011

Der Mühlberg besteht aus einer leicht vorspringenden Landzunge nach Südwesten in Richtung der Niederung. Im Gegensatz zu den umliegenden Bergkuppen ist er nicht abgeflacht, sondern leicht erhöht. Das deutet auf eine früher erfolgte, künstliche Erhöhung des Gipfels hin. Nach der Aufgabe der Wallanlage ist dieser Gipfel sicher wieder abgeflacht worden und erhielt in der frühen Neuzeit eine Windmühle.
Der Mühlberg bildet mit 135- 136 Metern eine dominierende Höhe mit gutem Rundblick in alle Richtungen. Im westlichen Hinterland ist er durch das Hochmoor als natürlichen Schutz abgeriegelt. Von Südwest über Süd bis Südost fällt das Gelände ab und bildet den Bereich des Dorfes Proßmarke.
Nach Osten erfolgt der Abfall des Geländes ab Flur Wenddorf und im Norden führt in geringer Entfernung die mittelalterliche Kaufherrenstraße vorbei.
Vor ungefähr fünfzig Jahren war am Südrand dieses Mühlberges noch der Rest eines Grabens mit einem Wallrest erkennbar. Am Nordostrand des Mühlberges ist heute noch eine flache Geländekontur vorhanden, die eventuell auf den Wall hineisen könnte, ebenso am Nordrand.
Der Mühlberg lag vor 700 Jahren nicht "in" sondern "bei" Proßmarke.
Allerdings fehlen für diesen Standort bisher jegliche archäologische Beweise. Wenn es Funde und Befunde bei Erdarbeiten der letzten Jahrzehnte gab, sind diese sicher nicht beachtet und vernichtet worden.
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6. Zusammenfassung
6.1. Zusammenfassung

In den Jahren 2010- 2013 erarbeitete der Freundeskreis Zliuuini eine Vielzahl heimatkundlicher Aufgaben und Projekte unterschiedlicher Größe.
In bei liegenden Dokumentationen sind insbesondere die weniger bekannten Arbeitsergebnisse in aller Kürze dargestellt oder wenigstens angerissen.
Es bleibt immer das Ziel, Ansatzpunkte für nachfolgende Generationen von Heimatforschern herauszuarbeiten und Wege für Jüngere zu ebnen.

6.2 Danksagungen

Der Freundeskreis Zliuuini bedankt sich für helfende Hinweise, Zuarbeiten, Überlassung von Informationen, Kritiken u.a.m. insbesondere bei Amt und Stadt Schlieben, Kreisarchiv Herzberg,
Fam. Kirchner/ Heimatstube Hohenbucko, Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises Elbe- Elster, Kreismuseum Bad Liebenwerda, Kultur- und Orgelzentrum e.V. Lebusa, Herr. Werner Zimmermann/ Schlieben, Herrn Dr. Torsten Richter/ Proßmarke sowie vielen Helfern, Heimatfreunden und Unterstützern aus der Region.

6.3 Quellenhinweise

Die jeweils zutreffenden und ausgewerteten Quellen befinden sich im Text in den zutreffenden Abschnitten.

6.4 Mitglieder des "Freundeskreises Zliuuini"

Dr. Gert Wille
* 1945 in Proßmarke Dipl.- Ing., Dr.- Ing.,
Heimatkundliche Arbeiten zur Ur- und Frühgeschichte der Region; seit über 40 Jahren Arbeiten auf dem Gebiet der Bodendenkmalpflege (als berufener ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger in Sachsen) sowie im Süden Brandenburgs; Mitglied der Archäologischen Gesellschaft Sachsen.
Autor von Büchern:
"Wie die Koblike lebten und starben" (Herzberg, 2006),
"Hasenpemmen und Stiefeltüte- Dorfgeschichten aus dem Schliebener Land" (Herzberg, 2010).
Weitere Titel als Mit- Autor s. Fußnote 1.
Vielfache Veröffentlichungen im Heimatkalender der Region Herzberg/ E. u. Vorträge in der Region,
Ergebnisberichte zur Ur- und Frühgeschichte von Proßmarke und Umgebung,
Internetauftritt www.prossmarke.de.

Hans- Dieter Lehmann
* 1939 in Lebusa Lehrer; Diplomlehrer f. Geografie,
Chronist im Amt Schlieben.
Autor folgender Bücher/ Veröffentlichungen:
"Die Geschichte des Schliebener Landes- ein heimatkundliches Lesebuch" (Herzberg, 2006),
"Was Urgroßvater/ Großvater einst in der Zeitung las" (Herzberg/E, Bd. I/ 2009, Bd. II/ 2010,
Bd. III/ 2012).
Weitere Titel als Mit- Autor s. Fußnote 1.
Mehrere Broschüren zu verschiedenen heimatkundlichen Themen der Region,
Vielzahl von Einzelveröffentlichungen in Tageszeitungen (z.B. Lausitzer Rundschau, Amtsnachrichten Schlieben,…), Heimatkalendern u.a. Presseerzeugnissen.

Harry Widmer
* 1955 in Dahme/ Mark Meister für Elektroanlagen.
Heimatkundliches Engagement z.B. über den Orgel- und Kulturzentrum Lebusa e.V., der Silbermann- Gesellschaft.
Mit- Autor von Büchern s. Fußnote 1.

Gernot Richter
* 1952 in Proßmarke Meister f. Elektrotechnik.
Langjährige Mitwirkung an heimatkundlichen Aktivitäten im Amtsbereich Schlieben.
Mit- Autor von Büchern s. Fußnote 1.

Mannfred Schmidt
* 1930 in Hohenbucko, Ingenieur f. Maschinenbau (Ing. grad.)
Autor verschiedener Veröffentlichungen z.B. im Heimatkalender Herzberg/E., Amtsnachrichten Schlieben.
Mit- Autor von Büchern s. Fußnote1.

1---------------------------
Gemeinsame Bücher:
"Liubusua. Das tausendjährige Geheimnis von Deutschen und Wenden" (Cottbus, 2011),

"Das Gold vom Möhrenacker. Rätselhafte Geschichten zwischen Schwarzer Elster und Lausitzer Grenzwall" (Cottbus, 2012),

"Eine Bestie in Menschengestalt. Berühmte Kriminalfälle aus dem Elsterland" (Herzberg/E., 2012),

"Der Jagsaler Franzosenmord 1813- 200 Jahre Erinnerung" (Cottbus, 2013)

Befahrung des Walls von Naundorf nach Proßmarke

Der Jagsaler Franzosenmord 1813

Unter der Bezeichnung „Befreiungskriege“ (auch Freiheitskriege genannt) werden heute die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Truppen Napoleons und der Gesamtheit der europäischen Gegner in den Jahren 1813 bis 1815 zusammengefasst.

Das heutige Land am Unterlauf der Schwarzen Elster gehörte in dieser Zeit noch zum Königreich Sachsen. Am 20.12.1806 ließ Napoleon den sächsischen Kurfürsten Sachsen zum ersten sächsischen König ausrufen und machte diesen damit zu seinem Verbündeten.

Die in Russland 1812 geschlagenen Reste der Armeen Napoleons wälzten sich im Jahre 1813,von Osten kommend, durch die Ortschaften um Jessen, Zahna, Schweinitz und Herzberg. Die gesamte Region um Herzberg und Jessen war in militärische Operationen eingebunden. Legendär ist der Übergang der preußischen Truppen am 3.10.1813 über die Elbe bei Wartenburg, den General Blücher von seinem damaligen Hauptquartier in Jessen leitete.

Die größte Schlacht in der Region fand am 6.9.1818 bei Dennewitz, südwestlich von Jüterbog, statt, wobei das Aufmarschgebiet z. B. auch die Orte Seyda, Zahna, Zalmersdorf, Gentha, Gadegast und Rahnsdorf betraf.

In der Nacht vom 19. auf den 20. August 1813 ermordeten russische Kosaken an den „Spitzen Ledigen“ bei Jagsal 61 kranke, kriegsgefangene napoleonische Soldaten und beraubten diese. Danach überfiel diese Kosakeneinheit bei Sonnewalde eine französische Abteilung mit einer Kriegskasse und erbeutete 700.000 Franc. Dieses Geld unterschlug der Anführer der Kosakenabteilung gegenüber der russischen und preußischen Regierung. Die Aussicht auf diesen gewaltigen finanziellen Coup war mit großer Sicherheit der Grund für den Befehl des Anführers zur Ermordung der verwundeten, hinderlichen Franzosen. Die amtlichen Akten belegen dieses Verbrechen von 1813.

Nunmehr hat der Freundeskreis Zliuuini, gemeinsam mit dem Amt und der Stadt Schlieben eine solche Gedenktafel vorbereitet. Diese wird am 20.8.2013, also genau am 200. Jahrestag der Untat, am Ort des Geschehens, dem Quellgrund bei Jagsal, an der Napoleoneiche, enthüllt. Diese Tafel gedenkt der Toten aber sie ist gleichzeitig Mahnung für ein friedliches Miteinander der Völker auch im Konfliktfall. Die Botschaft lautet: Konflikte werden in der Regel nicht durch Kriege gelöst.

Veranstaltung am 20.08.2013-Jagsal Quellgrund

Beitrag Elbe-Elster-Rundschau vom xx.05.2014

Die Schautafel

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Der Freundeskreis Zliuuini hat das gesamte Geschehen neu aufbereitet, alle verfügbaren Quellen ausgewertet und die Ergebnisse in einer Broschüre zusammengefasst. Diese Darstellung enthält neue Fakten und Erkenntnisse, die weit über das bisher bekannte und stets immer wieder kolportierte Geschehen hinausgehen. Die Autoren untersuchen die Gedanken und Beweggründe des Anführers der Kosaken, beleuchten wichtige Stationen seines Lebens und gehen seiner Motivation nach. Auf der Grundlage einer völlig neuen Herangehensweise an die Analyse und Interpretation der Fakten und Meinungen ergeben sich überraschende Erkenntnisse, neue Denkansätze und es treten Ungereimtheiten zu Tage. An Hand der eindeutigen Indizien kommen die Autoren jedoch zu einer klaren Aussage.

Gert Wille

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Nachtrag-März 2013

Nachrecherchen zu „Der Jagsaler Franzosenmord von 1813“

Diese Broschüre hat unerwartet ziemlich breite Resonanz gefunden. Der Freundeskreis Zliuuini hat jedoch zu diesen Vorkommnissen weiter recherchiert. Hier nun erste Ergebnisse dazu:

In der Broschüre des Freundeskreises Zliuuini „Der Jagsaler Franzosenmord von 1813. 200 Jahre Erinnerung“ (Regia Verlag Cottbus, 2013) ist auf S. 13 der Name eines einzigen Überlebenden mit

Wautichel, Albert Francois
aus Nieuport, Dep. La Lyr

genannt.
Ein Leser und Freizeithistoriker aus Kornwestheim (Hr. Zemke) machte den Freundeskreus Zliuuini im März 2014 darauf aufmerksam, dass dieser Name richtig lautet:

Van Tichel, Albert Francois
aus Nieuport im Dep. Lys, Belgien.

Offenbar ist der Familienname in den Entlassungspapieren aus dem Lazarett falsch geschrieben (vermutlich auf Zuruf) und in den Altakten von 1813 auch so dargestellt worden. Das war der Anlass, weitere Recherchen zum Namen vorzunehmen.

Albert Francois an Tichel wurde vermutlich um 1790 geboren, vielleicht sogar in Neuiport, er war also Belgier.
Über seine Familie, Kindheit und Jugend ist bisher nichts bekannt.
Van Tichel wurde Voltigieur (eine Art Infanterist) im 56. Regiment, 1. Bataillon der Grande Armee Napoleons.
Dieses Regiment wurde schon 1635 gebildet. Von 1791 bis 1812 sind elf Kommandeure desselben namentlich bekannt, darunter fünf Brigade- Generale. Regimentskommandeur im Jahre 1812 war ein Colonel Delhaye, also van Tichels oberster Vorgesetzter. Das Datum des Eintrittes des van Tichel in diese Armee ist unbekannt. Möglicherweise war er aber schon an den Kämpfen 1812 beim Russlandfeldzug Napoleons (Dunaburg, Jacobowo, Polotsk und an der Beresina) beteiligt und erlebte die gewaltige Niederlage Napoleons 1812 vor Moskau und die überstürzte Rückflucht der Grande Armee gen Westen.
Vermutlich ist van Tichel auf dieser Flucht an Typhus erkrankt und in das Lazarett Guben eingeliefert worden. Dieses „Hospital de Guben“ wurde aber auch mit „ d`Amnitz“ angegeben. Hier handelt es sich womöglich um das Gut Damnitz im damaligen Kreis Schlochau/ Westpreußen, also bei Guben. Dieses 200 Hektar-Freigut gehörte damals zum Besitztum derer von Kleist.
Auf Grund der immer näher rückenden russischen Armee wurden 65 Kranke auf Transportwagen geladen und Richtung Festung Torgau gefahren.Unterwegs wurden sie am 19.8.1813 in Herzberg/ Elster von russischen Kosaken gefangen genommen und die Nacht darauf ermordet.

Der Freizeithistoriker aus Kornwestheim hat, in Abstimmung mit dem Freundeskreis Zliuuini im März 2013 diese neuen Rechercheergebnisse an folgende historische Gesellschaft in Frankreich weiter gegeben:
A.H.P.E. Association Histoire des Premier Empire
80, rue des pecheurs
F- 85220 Commequier France

Diese Gesellschaft hat darauf hin folgende Information in ihre öffentlichen Annalen aufgenommen:

Dep. Lys, Nieuport:
Van Tichel, Albert Francois
Fils de x
Ne le 821 ans) …a Nieuport
Assassine le 19/08/1813 a Jagsal (Allemagne) par les cosaques
Voltigeur au 56e regiment d`infantterie de ligne (1B/Cie de voltigeurs)

Je eine Broschüre mit Erläuterungen zum Schicksal des van Tichel hat der Freundeskreis Zliuuini an
A.H.P.E., Commequier/ Frankreich und an die Stadtverwaltung Nieuport, Dep. Lys/ Belgien
verschickt.

gez. Dr. G. Wille

Impressionen vom Vortrag am 26.02.2013

Vortrag am 18.06.2013

Auf Grund der sehr guten Resonanz der seit dem 26.2.2013 präsentiertenen Ausstellung im Amtsgebäude in Schlieben wurde ein zweiten Teil zum Thema durchgeführt:

Datum: Dienstag, den 18. Juni 2013
Zeit: 17:00 bis 18:00 Uhr
Ort: Amt Schlieben
Referent: Dr. Gert Wille
Eintritt frei

Die Fortsetzungsveranstaltung umfasste folgende inhaltliche Schwerpunkte:

- Alt- und Neufunde aus dem Schliebener Land- eingeliefert durch Bürger im Zeitraum Februar bis Juni 2013. Diese Funde werden in der aktuellen Ausstellung erstmals der Öffentlichkeit präsentiert, u.a. Spinnwirtel (wie
funktioniert so etwas?), Schleudersteine (im Gelände oft verkannt und übersehen), Scherben mit
unterschiedlichsten Verzierungen und Ornamenten (wie alt sind sie?) eine geheimnisvolle schwarze Scherbe mit
Goldsprenkelung, ein Skelettteil vom Malitschkendorfer Burgwall und vieles Andere mehr.

- Münzfunde aus der Region und ihre skurrilen Geschichten

- Geheimnisvolle Skelettfunde im Schliebener Land- Rätsel um den Tod

- Dr. Wagners umfangreiches Fundgut- wo ist es geblieben?

Alle heimatkundlich interessierten Bürger und auch solche, die es werden wollen, wurden herzlich zu diesem Lichtbildervortrag eingeladen. Anschließend erfolgten die Erläuterungen zu den neuen Funden an Hand der ausgestellten Exponate.

Beitrag zum Vortrag-LR vom 15.06.2013

Artikel über Carl Hoepcke

Kooperation Brasilien mit Striesa

Wer bei Wikipedia den Namen „Carl Hoepcke“ eingibt, der landet auf mehreren Webseiten in portugiesischer Sprache, in Brasilien. Hier erfährt der Leser- auch ohne umfangreiche Sprachkenntnisse- dass dieser Herr Hoepcke am 25. Juni 1844 in „Striesa, Brandemburgo“ geboren wurde und mit 19 Jahren mit seiner Mutter und zwei jüngeren Geschwistern nach Brasilien, Bundesstaat St. Catarina, auswanderte. Sein Vater war schon vorher in Deutschland verstorben.

Heute gilt dieser Carl Franz Albert Hoepcke als brasilianischer Unternehmer mit deutschen Wurzeln.
Carl Hoepckes Onkel, ein Ferdinand Hackradt (Bruder der Mutter) war in der Hauptstadt des Bundesstaates St. Catarina, Florianopolis, mit einer florierenden Handelsfirma schon zu Wohlstand gekommen. Carl Hoepcke wurde erst Buchhalter in dieser Firma des Onkels und übernahm dann die Firma selbst. Hackradt, der Onkel, war deutscher Honorarkonsul, auch hier folgte ihm später sein Neffe im Amt.

Carl Hoepcke entwickelte sich zu einem sehr erfolgreichen Unternehmer in St. Catarina und darüber hinaus. Er betätigte sich m Handel, in der Schifffahrt und in der Industrie. So gründete er z. B. eine eigene Schifffahrtsgesellschaft, eine Spitzen- und Stickereiwaren- Fabrik, eine Nagel- Fabrik, eine Eisherstellung und das „Handelshaus Hoepcke“ mit acht Filialen im Umland.
Hoepcke war auch im sozialen Umfeld seiner Unternehmungen sehr aktiv, unterstützte z. B. Bildung und Sport.
Carl Hoepcke war zweimal verheiratet, hatte insgesamt 7 Kinder.
Am 8.1.1924 verstarb er in Florianopolis als brasilianischer Staatsbürger.

Seine heutigen zwei Urenkelinnen Annita und Silvia Hoepcke da Silva, halten das Andenken von Carl Hoepcke in hohen Ehren. Sie gründeten 2004 das „Instituto Carl Hoepcke“ in Florianopolis.

Um noch mehr Details über ihren berühmten Urgroßvater zu erfahren, weilte seine Urenkelin Annita Hoepcke da Silva am 2.9.15 in Lebusa und Striesa, gemeinsam mit ihrer juristischen Beraterin Frau Adelgunde Gebler und dem Geschäftsführer des Institutes, Herrn Max Jose Müller und dessen Frau Carmen.
Der Freundeskreis Zliuuni hatte, gemeinsam mit dem Amtsdirektor des Amtes Schlieben, Herrn Andreas Polz und dem Bürgermeister von Lebusa, Herrn Marcus Klee, ein Tagesprogramm erarbeitet und betreute die brasilianischen Gäste an diesem Tag. Als Dolmetscher fungierte Herr Dr. Klaus Richter aus Hamburg, ein guter Freund der brasilianischen Gäste.
Der Tag begann mit einer Einsichtnahe in die Kirchenbücher von Striesa bei Herrn Pfr. Christian Jänicke in Knippelsdorf. Schon hier erhielten die Besucher viele Informationen über die Kindheit von Carl Hoepcke. Daran schlossen sich eine Diskussion im Oberlaubenstall Lebusa und eine Kirchenführung mit Orgelvorführung in Lebusa an. Hier hatte Frau Annette Krell, die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates Lebusa- Körba- Freileben- Striesa- mit ihrer Mitarbeiterin alles nötige organisiert und Pfarrer Ingolf Walther spielte zum größten Vergnügen der Gäste etliche Stücke auf der berühmten Silbermannorgel. Nach einem kleinen geschichtlichen Kirchenexkurs durch Herrn Hans- Dieter Lehmann vom Freundeskreis Zliuuini und einem begeisternden Mittagessen im Freilebener „Lärcheneck“ wurde Striesa, der Geburtsort angesteuert. Das Gehöft der Familie Schröder liegt heute auf dem ehemaligen Standort des Striesaer Rittergutes und Familie Schröder bemühte sich sehr, den Gästen noch eventuelle alte Zeugnisse aus der Zeit des Carl Hoepcke zu präsentieren, was auch zur Überraschung aller gelang.
Nach kurzen Aufenthalten im Dorf, am Friedhof und dem Schlossberg erfolgte in der Remise des Forsthauses Striesa die Abschlussbesprechung.
Die brasilianischen Gäste reisen mit sehr vielen neuen Informationen und Eindrücken zurück in ihre Heimat.
Vielleicht reißen diese ersten Arbeitskontakt zwischen den beteiligten Partnern nicht ab, denn es wurden doch etliche Folgeaufgaben vereinbart.

Fotostrecke über Carl Hoepcke

Wo liegt Florianopolis?

Kellerstraßenfest Oktober 2015 - Schlieben

Anlässlich des Kellerstraßenfestes am 03.10.2015 in Schlieben wurde vom Freundeskreis Zliuuini, vertreten durch Herrn Gernot Richter, eine Fotoausstellung gezeigt. Neben den Bildern des Freundeskreises wurden auch tolle Bilder von Herrn Kahle, Herrn Wolff und von Herrn Lehmann (HDL) präsentiert. Die Veranstaltung war eine tolle Bereicherung für das Kellerstraßenfest und wurde gut besucht.

Bilderausstellung Schlieben am 03.10.2015